Konstantinus u. Licinius. Jahr Christus 54 6. Melchiades. 353
„same wieder zurückerstattet werde. Da nun deine Excellenz einsehen wird,„daß dieser unser Befehl in den unzweideutigsten Ausdrucken abgefaßt„ist, so trage Sorge, daß Alles, mögen es Gärten, Gebäude oder was„sonst immer seyn, was zur Gerechtsame ihrer Kirchen gehört, ihnen aus„das Schleunigste wieder herausgegeben werde, damit wir erfahren mögen,„daß du diesem unserem Befehl auf das Genaueste nachgekommen setzest.„Lebe wohl, hochgeschätztester und gelicbtester Anulinus."
Abschrift eines Schreibens, worin der Kaiser be-fiehlt, daß um der Vereinigung und Eintracht der Kirchewillen (1) eine Versammlung der Bischöfe zu Rom ge-halten werden solle.
„Konstantinns Augustns dem römischen Bischof Miltiade6(2) und„dem Markus seinen Grnß.
„Da von dem hochansehnlichen Prokvnsul von Afrika, Anulinus,(Z)„verschiedene dergleichen Anklageschriften an mich gelangt sind, des Jn-„balts, daß Eäcilianns, der Bischof von Karthago, von einigen seiner„Amtsgenossen in Afrika verschiedener Sachen beschuldigt werde, und es„ein sehr schmerzhafter Gedanke für mich ist, daß in denjenigen Pro-„vinzen, welche die göttliche Vorsehung aus freier Wahl meiner Majestät„übergeben, und worin eine zahlreiche Volksmenge sich befindet, das„Volk als schlechteren Gesinnungen nachhängend und gleichsam sich trennend
(t) Die Veranlagung dieses kaiserliche» Schreibens war folgende: Nachdem die Ver-folgung in Afrika aufgehört hatte, war man tarauf bedacht, einen neuen Bischof zu Kar-thago an des Mcnfurius Stelle zu wählen. Die benachbarten Bischöfe kamen in dieserAbsicht nach Karthago und Cäcilianus wurde durch die Mehrheit der Stimme» gewählt,und vom aptungitanischcn Bischof Felir ordinirt- Botrus, Keleusius und einige Andere,die zum Theil Mitbewerber des Bisthums gewesen waren, errichteten eine Partei widerihn, woran besonders ein gewisses reiches Frauenzimmer, Namens Lucilla, großen Anthcilnahm, weil sie den Majorinus, der ihr Klient war, gern zum Bisthum befördern wollte.Sie zogen den tigisitanischen Bischof Sckundus nebst vielen andern numidischcn Bischöfenmit in ihr Jntercge, welche um so viel bereitwilliger Theil daran nahmen, weil thcilsjener sich dadurch für beleidigt hielt, daß er als Primas von Numidien ihn nicht ordinirthatte, theils diese, daß sie nicht mit zu der Ordination waren eingeladen worden. Sie be-riefen deswegen ein Koncilium, wozu über 70 Bischöfe sich versammelten und wobei Sc-kundus, Donatus und unter der Hand Lucilla die wirksamsten waren. Man forderte denCücilianuS vor und gab ihm Schuld, daß er theils, da er Diakonus gewesen, sein Amtnicht recht verwaltet habe, theils daß er von Traditorcn (so hießen diejenigen, welche denReligionsfeinden die heiligen Bücher auslieferten) wäre ordinirt worden. Da er nicht er-schien, vcrurthcilten sie ihn abwesend, setzten ihn ab und wählten den Majorinus statt seinerzum Bischof, welche Wahl Lucilla vorzüglich durch ausgctheilte, große Summen unterstützte.Hieraus entstanden nun zwei Parteien, die sich beiderseits zu verstärken, und endlich beimProkonsul, ja beim Kaiser selbst Unterstützung suchten. Zu gleicher Zeit wurde hiedurch derGrund zu der großen donatistischcn Spaltung gelegt. Der Prokonsul Anulinus übersandtedie Klaglibelle von der Partei des Majorinus, und darauf erfolgte diese Antwort desKaisers. Stroth.
(2) Diesen Namen führt er ebenfalls; in der römischen Kirche ist er sonst unter demNamen Melchiades bekannter. Wer hier der genannte Markus gewesen, ob ein römischerPresbyter, ob derjenige, der nach dem Silvesur Bischof zu Rom geworden, ist nicht be-kannt. Stroth.
(3) Der Brief des Anulinus, wobei er die beiden ihm überreichten Schriften über-sandte, deren eine die Aufschrift führt: Klaglibell der katholischen Kirche, ent-haltend die Verbrechen des Cäcilianus, übergeben von der Partei desMajorinus, steht bei Augustinus im 88sten Briefe, im Listen Theile der Werke dcsAugustinus, S. 244 der benedict. Ausgabe. Stroth.
Eusebius Kirchengcschichte. 23