340 KonstantinnS u. Licinius. Jahr Christus 315. Melchiades.
„auch die des jetzigen Baues als schlechte Baumeister schlechter Werke ver.„morsen haben, welchen aber der Bater nicht nur damals, sondern anch„jetzt als bemährt erkannt und zum Eckstein dieser unserer neuen Kirche„gesellt hat. Dieser lebendige Tempel des lebendigen Gottes nun, den mir„selbst ausmachen — ich meine jenen größten, Gottes mahrhaft würdigen„Tempel, dessen innerstes Heiligthum den Blicken der Menge entzogen und„mahrhaft heilig und das Heligthum der Heiligen ist — wer mochte, wenn„er ihn geschaut hat, es wagen, etwas von ihm auszusagen? Wer anders„vermochte aber auch nur einen Blick hineinzuwerfen in den heiligen Bezirk,„als allein der größte Hohepriester Aller, welchem allein die Geheimnisse„jeder vernünftigen Seele zu erforschen gestattet ist? Doch vielleicht ist auch„noch einem Andern, der den zweiten Platz nach diesem einnimmt, dasselbe„vergönnt, nämlich dem Anführer dieser Schaar, welchen der oberste Hohe»„priester selbst mit der zweiten Stelle des Priesterthums allhier beehrt, den„Hirten eurer göttlichen Heerde, welcher durch die Wahl und das Urthcil„des Vaters euer Volk überkommen und welchen er sich als seinen Diener„und Dolmetscher verordnet hat, dem neuen Aaron oder Melchisedek, welcher„dem Sohne Gottes ähnlich geworden ist, indem er immer bleibt und durch„euer aller gemeinschaftliches Gebet von ihm erhalten wird. Ihm allein„nun scy es nach jenem ersten, obersten Priester erlaubt, wo nicht die erste,„doch die zweite Stelle in der Aufsicht und Beobachtung des Innern eurer„Seele einzunehmen, ihm, der durch Erfahrung und durch die Länge der„Zeit Jeden von euch genau erforscht, durch seinen Eifer und seine Sorgfalt„euch Alle in der Zucht und in der Religion unterwiesen hat und mehr als„jeder Andere im Stande ist, von dem, was er mit göttlicher Hülfe voll-bracht hat, auf eine der That entsprechende Weise Rechenschaft zu geben.„Unser erster und größter Hoherpriester nun, der Sohn, thut Alles, was„er den Vater thun sieht, auf gleiche Weise, wie dieser. (1) Dieser aber,„gleichfalls auf ihn als auf den ersten Lehrer mit den ungetrübten Augen„des Verstandes hinblickend, betrachtet Alles, was er ihn thun sieht, als„ein Urbild und brachte ein so viel möglich ähnliches Nachbild davon zu„Stande, in nichts jenem Beseliel nachstehend, welchen Gott selbst mit dem„Geiste der Weisheit, Einsicht und den übrigen künstlerischen Kenntnissen„und Eigenschaften erfüllt(2) und zum Nachbildner himmlischer Urformen„des Tempels berufen hat. Da nun auch dieser auf dieselbe Weise ein„Bild von dem ganzen Christus, welcher ist das Wort, die Weisheit und„das Licht, in seinem Herzen trug, so ist eö unbeschreiblich, mit welch einem„hohen Sinne, mit welch reicher und verschwenderischer Hand des Geistes„und mit welcher Freigebigkeit von eurer Seite, die ihr von dem edlen„Wetteifer beseelt wäret, in Betreff freigebiger Beiträge nicht hinter seinem„Vorsätze zu bleiben, er diesen herrlichen Tempel des höchsten Gottes, wel-„cher sichtbar ist, nach dem Vorbilde dessen, welcher unsichtbar ist, in hoher
(1) Joh. 5, 19.
(2) Nach 2 Mos. 31, 3.