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Kirchengeschichte
Entstehung
Seite
330
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J39 Konstantums u. Licknus. Jahr Christus 215. Melchiades.derber des ganzen Menschengeschlechts erschienen, so daß wir nicht nur keineStadt, sondern nicht einmal das Land oder die Wüste bewohnen durften,wurden jetzt Verordnungen und Edikte zu Gunsten der Christen erlassenund diejenigen, welche so eben noch durch Feuer, Schwert, durch wilde Thiersund Vögel vor den Augen des Tyrannen selbst ihr Ende gefunden und alleArten von Strafe, Folter und Tod als Gottesleugner und Gottlose auf dasJämmerlichste hatten erdulden müssen, werden jetzt öffentlich von ihm alsLeute anerkannt, die eine Religion haben, erhalten die Erlaubnis; Kirchenzu bauen und der Tyrann selbst bekennt und gesteht offen, daß ihnen ge-wisse Gerechtsame zuständig sind. Nachdem Maximinus dieß Bekenntnis;abgelegt hatte, so wurde er plötzlich von Gottes Geißel geschlagen, litt aber,wiewohl er sehr litt, gleichsam als Gnade dafür, weniger als er verdienthatte, und starb während des zweiten Zusammentreffens mit den Fein-den. (1) Er fand aber nicht ein Ende, wie es den Feldherrn oft zu Theilwird, wenn sie für die Ehre und die Ihrigen tapfer streitend, eines uner-schrockenen ruhmvollen Todes sterben, sondern er erlitt als ein Gottloserund Gottesfeind, zu Hause bleibend und steh verbergend, während sein Heernoch auf dem Schlachtfeld herumgeirrt war, die verdiente Strafe. Erwurde nämlich auf Einmal von Gottes Geißel am ganzen Leibe dergestaltgeschlagen, daß er von der Größe und dem Uebermaaß der Schmerzen ge-peinigt auf den Bauch niederfiel, fast vor Hunger umkam und sein ganzesFleisch durch ein unsichtbares, von Gott geschicktes Feuer verzehrt wurdeund zerfiel, so daß jede Spur seiner ehemaligen Gestalt verschwand undihm nur noch die ausgedörrten Knochen als einem seit langer Zeit ausge-trockneten Skelete übrig blieben, daß alle Anwesenden nichts Anderes glau-ben konnten, als sein Körper sey das Grab seiner Seele geworden, welchein dem bereits todten und gänzlich verwesten Körper begraben worden. Daihn hierauf die Hitze aus dem Innersten seines Markes hervor noch mehrverbrannte, traten ihm die Augen heraus und fielen aus ihren Höhlungen,so daß er ganz blind wurde. Gleichwohl aber war noch Leben in ihm, erthat seine Bekenntnisse vordem Herrn und wünschte sich den Tod herbei;zuletzt, nachdem er noch bekannt hatte, daß dieß die verdiente Strafe fürsein grausames Verfahren gegen die Christen sey, gab er seinen Geist auf.

(1) Zu Tarsus in Cilicien, als des Licim'us Truppen zu Wasser und zu Lande sichnahten. Ucber die Art und Weise, wie Maximin gestorben, sind die Alten nicht einig.Viktors Auszug (Cap. 40> sagt ausdrücklich, er sey eines natürlichen Todes gestorben,Zosimus (2, 13) nur, er sey gestorben, Aurelius Victor (Cap. 41) scheint einen gewalt-samen Tod anzunehmen. Laktanrius (üe moitid. perseout.) erzählt dasselbe, was Eusebius,setzt aber hinzu, Maximinus habe zuvor aus Verzweiflung Gift genommen, das, weil ersich vorher übersättigt, die gehoffte Wirkung nicht gcthan habe, aber im Körper zurückge-blieben sey und ihn in Raserei versetzt habe.Ans dieß schlug er seinen Kopf gegen dieWand, bis ihm die Augen aus den Höhlen herausfielen, da er des Gesichtes beraubt war,sah er Gott, wie er mit weißgekleideten Engeln über ihn Gericht hielt. Nun rief er aus,wie Leute auf der Tortur, nicht er, sondern Andere haben es gethan, bat Christum häusigum Verzeihung und flehte ihn kläglich an, er möchte sich seiner erbarmen.