32<i Konstantiuus u. Lieiiiius. Jahr Christus 3t 2. Melchiades.„suchen solle. Damals nun, als mein Befehl meiner Anweisung zufolge„von den Richtern beobachtet wurde, fiel es nie vor, daß Einer aus den„Provinzen des Orients verbannt oder daselbst auf eine gewaltthätige„Weise behandelt worden wäre, sondern sie sind vielmehr eben dadurch,„daß man nichts Gewaltthätiges gegen sie vorgenommen, zur Verehrung„der Götter zurückgerufen worden. Nach diesem aber, als ich im verflos-„senen Jahre glücklich nach Nikomedia kam und mich daselbst aufhielt, er-„schicnen Einwohner dieser Stadt vor mir mit Bildern der Götter und„baten mich inständig, eS möchte doch dieser Partei ans keine Weise gestattet„werden, in ihrer Vaterstadt zu wohnen. Allein da ich erfuhr, daß sehr„viele Leute dieser Religion in diesen Gegenden wohnen, so fiel mein Be-„scheid dahin auS, daß ich dieser Bitte sehr gerne willfahren würde, altein„ich hätte bemerkt, daß nicht alle dieselbe an mich haben ergehen lassen.„Wenn nun Einige seyen, welche in dem genannten Aberglauben verharren,„so könne ja in diesem Falle ein Jeder in dem, woran er Gefallen habe,„seinem eigenen Willen folgen, auch, wenn er wolle, den Dienst der Götter„anerkennen. Dennoch aber fühlte ich mich gedrungen, sowohl den Ein-wohnern der Stadt Nikomedia, als auch der andern Städte, welche eben-„falls dieselbe Bitte sehr angelegentlich an mich gelangen ließen, nämlich„daß auch nicht ein einziger Christ in ihren Städten wohnen dürfe, eine„geneigte Antwort zu ertheilen, weil eS theils alle vormaligen Kaiser so„gehalten hatten, theils auch, den Göttern selbst, durch welche alle Menschen„und die Regierung des Staates selbst erhalten werden, so gefiel, daß ich„eine solche Bitte, welche sie für den Dienst ihrer Götter darbrachten, ge-währen sollte. Demnach also und obgleich es schon früher deiner E.rcelleuz„durch Schreiben zu wissen gcthan und auch durch Mandate befohlen wor-„den ist, gegen die Provinziellen, welche diese Religion beibehalten wollen,„nicht mit Härte, sondern mit Milde und Mäßigung zu verfahren, so„habe ich es doch, damit sie nicht von Seite der Beneficiarien (1) oder„eines jeden Andern Mißhandlungen und Vedrängungen ausgesetzt sind,„für angemessen gehalten, auch in diesem Schreiben deine Excellenz daraus„aufmerksam zn machen, daß du unsere Provinzialen mehr durch Freund-„lichkeit und Vorstellungen zur Anerkennung der Fürsorge der Götter zu„bringen suchst. Wenn daher Einer aus eigener, freier Ueberzcugung sich„entschließt, den Dienst der Götter anzuerkennen, so muß man ihn willig..aufnehmen; wollen aber Andere lieber ihrer eigenen Weise folgen, so magst„du es ihrer eigenen Neigung überlassen. Demnach soll deine Ercellenz„das, was befohlen ist, beobachten und Niemanden darf erlaubt werden,„unsere Provinzialen durch Mißhandlungen und Bedräuungen zu beun-
(t) Bcncsiciarii sind eigentlich durch die Gunst ihrer Vorgesetzten bevorzugte und man-cher Dienstpflicht enthobene Soldaten. Weil sie aber sich auch zu Werkzeugen minder edlerZwecke ihrer Vorgesetzten rc. hergeben mochten, und weil besonders unter der mit Furchtgepaarten Despotie der Soldat politischer und statistischer Bchorchcr war, so setzte sie schonTertullian mit den Spähern, Auflauern rc. in Eine Kategorie und in diesem Sinne istdas Wort auch in unserer Stelle zu nehmen.