Konstantinus n. Licinius. Jahr Christus 312. Melchiades. 323vollem Blick und Herzen als einen Erlöser, Retter und Wohlthäter unterFreudenruf und unermeßlichem Frohlocken. Konstantinns aber, der gleich-sam eine angeborne Frömmigkeit besaß, ließ sich weder durch dieses Geschreiim geringsten irre machen, noch durch die Lobeserhebungen aufblasen, son-dern, sich der göttlichen Hülfe sehr wohl bewußt, befahl er alsbald, dasSiegeszeichen des heilbringenden Kreuzes in die Hand seines Bildnisses zusetzen. Sie errichteten ihm dcßhalb an dem besuchtesten öffentlichen Platzeder Stadt eine Bildsäule, das heilbringende Zeichen des Kreuzes in derrechten Hand, unter welche Konstantinus folgende Inschrift in lateinischerSprache zu setzen befahl: Durch dieses heilbringende Zeichen,das wahre Zeichen des Muthes, habe ich eure Stadt vondein Joche des Tyrannen errettet und befreit, und demrö mischen Sc nat undVolk mit der Freiheit seinen altenGlanz und die alte Herrlichkeit zurückgegeben. Hieraufsuchten Konstantinus und mit ihm der Kaiser Licinius, der damals nochnicht, wie später, in Wahnsinn gefallen war, Gott, den Urheber allesGlücks, das ihnen widerfahren, sich geneigt zu machen und beide erließeneinstimmig und gemeinschaftlich ein vollständiges und umfassendes Gesetzzu Gunsten der Christen und schickten dem Maximinus, der damals nochüber die Provinzen im Oriente herrschte, und ihre Freundschaft zu erschmei-cheln suchte, einen Bericht von den Wundern, die Gott an ihnen gethan,von dem Siege über den Tyrannen, so wie das Gesetz selbst zu. Diesen,als einen Tyrannen, schmerzten zwar die zugekommenen Nachrichten unge-mein, allein da er nicht den Schein haben wollte, als bequeme er sich nachAndern, aber auch nicht den Befehl geheim halten, aus Furcht vor denen,die ihn gegeben, so erließ er nvthgedrnngen, wie aus eigener Bewegung,zuerst folgendes Schreiben an die ihm untergebenen Statthalter, worin erDinge, die er niemals gethan hatte, zum Schein wider sich selbst erdichtete.
Abschrift der Uebersetzung von dem Briefe des Ty-rannen Maxi m i n u 6.
„Iovius M aximinus Augustus dem Sabinu 6 seinen Gruß.„Ich habe die Ueberzeugung, daß es deiner Excellenz und allen Menschen be-gannt scyn wird, daß unsere Herrn und Väter Diokletianus undMaximia-„nnö, als sie sahen, wie alle Menschen die Verehrung der Götter verlassen„und der Christenpartei sich zugesellt, den ganz geeigneten Befehl gegeben„haben, daß alle Menschen, welche die Verehrung der unsterblichen Götter„aufgegeben haben, durch öffentliche Züchtigung und Strafe wieder zu ihrer„Verehrung zurückgebracht werden sollen. Allein wie ich zuerst mit gutem„Glücke in den Orient kam und bemerkte, daß an manchen Orten sehr viele„Leute, welche dem Staate nützlich seyn konnten, ans vvrgedachter Ursache„von den Nichtern verbannt worden, so gab ich allen und jedem derselben„den Befehl, daß für die Folge keiner von ihnen gewaltthätig gegen die Be-„wohner der Provinzen verfahren, sondern vielmehr dieselben durch Freund-„lichkeit und Ermahnungen zu dem Dienste der Götter zurückzubringen