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Kirchengeschichte
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322
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322 Koustantinus u. Licinius. Jahr Christus 312. Melchiades.Nothmittel, daß sie auf den öffentlichen Plätzen betteln gingen, währenddie Scham in ihrem Gesichte und das Anständige ihres Anzuges zu er-kennen gaben, daß sie einst eine gnte Erziehung genossen hatten. Einigewankten und schwankten, ganz abgezehrt, Gespenstern gleich und bereitsmit dem Tode ringend, hin und her, stürzten, aus Unvermögen, sich auf-recht zu halten, mitten in den Straßen hin, baten , ans dem Bauche hinge-streckt, flehentlich, ihnen ein Stückchen Brod zu reichen und schrien noch,während sie in den letzten Zügen lagen, über Hunger, zu diesem kläg-lichen Ausrufe allein noch stark genug. Die Neichen erstaunten über dieMenge Bettler und wurden zuletzt, nachdem sie sehr viel hergeschenkt hatten,hart und unbarmherzig, weil sie erwarten mußten, es würde ihnen selbstin kurzer Zeit eben so, wie den elenden Bettlern, gehen. Bereits lagenmitten ans den öffentlichen Plätzen und in den Gassen nackte Leichnamemehrere Tage lang unbegraben zerstreut da und boten denen, die es sahen,einen höchst traurigen Anblick dar. Bereits wurden auch Einige von denHunden verzehrt, wcßwegen die noch Lebenden die Hunde todt zu schlagenanfingen, ans Furcht, sie möchten wüthend werden und Menschen fressenwollen. Nicht weniger raffte aber auch die Pest ganze Häuser und Familienweg, besonders solche, welche, weil sie an Lebensmitteln keinen Mangellitten, der Hunger nicht aufzureiben vermochte. So mußten denn vieleReiche, Befehlshaber, Statthalter und tausend andere in Würden ste-hende Personen eines ganz schnellen und jähen Todes sterben, gleich als.wären sie absichtlich von dem Hunger der Pest überlassen worden. Alleswar voll Wehklagen, auf allen Gassen, Straßen und öffentlichen Plätzenkonnte man nichts Anderes hören, als Leichenklagen, begleitet von dembei ihnen gebräuchlichen Flötenspiele und Getöse. (1) Aus diese Art raffteder Tod, der mit den vorhin gedachten zwei Waffen, mit Pest, und mitHunger, stritt, in kurzer Zeit ganze Familien hinweg, so daß man sogarzwei und drei Leichname beisammen zur Bestattung tragen sehen konnte.Dieß war derLohn für die Großprahlerei des Maximians und die Beschlüsseder Städte wider uns. Die allseitige Dienstwilligkeit und die Frömmigkeitder Christen zeigte sich damals allen Heiden in einem hellen Lichte. Dennsie waren die Einzigen, welche inmitten so großer und so vieler Drangsaleihr Mitgefühl und ihre Menschenliebe durch die That selbst bewiesen. DieEinen von ihnen beschäftigten sich täglich unablässig mit Wartung und Ve^gräbuiß der Sterbenden (es gab aber Unzählige, welche Niemanden hatten,der für sie gesorgt hätte), die Andern versammelten die gesammte Mengeder Ausgehungerten der ganzen Stadt an Einen Ort und theilten unteralle Brod aus. Als daher dieser Umstand zur allgemeinen Kunde kam, sopriesen sie den Gott der Christen und bekannten, durch die Thatsachcn selbstüberführt, daß die Christen die einzigen wahrhaft Frommen und Gottes-

(s) Bei den Alten wurden die Leichen unter lauten Klagen und traurigem Flötenspielzu Grabe getragen. Man erinnere sich des Matth.-9, 23. vorkommenden Beispiels vonder Kochtcr des Jairus.