Konstautinns u. Liciuins. Jahr Christus 312. Melchiades. 32 i.
Achtes Hauptstück.
Vo» dem , was hieraus in der Hungers -, Pest - und Kriegszeit erfolgt ist.
Die gewöhnlichen Regen nnd Regengüsse hörten zur Winterszeit auf,in gewöhnlicher Menge auf die Erde zu fallen, eine nnerwarteteHungersnothbrach aus nnd überdcm die Pest, und dazu noch eine andere gefährlicheKrankheit, welche in einem Geschwüre bestand, das seinen Namen von demflammenartigen Aussehen führte und Karbunkel genannt wurde. Diese ver-breitete sich nach und nach über den ganzen Körper und versetzte die daranLeidenden in große Gefahr; besonders aber hielt es um die Augen herumsehr lange an und zog einer großen Menge von Männern, Weibern und Kin-dern Blindheit zu. Uebcrdieß bekam der Tyrann Krieg mit den Armeniern,welches Volk von Alters her Freund und Bundesgenosse der Römer war.Da diese, ebenfalls Christen, sich die Verehrung des wahren Gottes sehrangelegen seyn ließen, (1) so versuchte der Gottesfeind sie zu zwingen, denGötzen und Dämonen zu opfern und machte sie dadurch aus Freunden zuFeinden und aus Bundesgenossen zu Gegnern. Dieses Alles floß plötzlichzu Einer und derselben Zeit zusammen nnd beschämte die freche Prahlerei desTyrannen gegen die Gottheit, weil er keck sich gerühmt hatte, daß wegenseines Eifers für die Götzen und der Verfolgung gegen uns zu seiner Zeitweder Hungersnoth, noch Pest, noch ein Krieg sich ereignet habe. Diesenun zugleich und zu einer und derselben Zeit hereinbrechenden Leiden bildetenauch gleichsam das Vorspiel zu seinem völligen Sturze. Er selbst war imKriege gegen die Armenier mit seinen Legionen unglücklich, die übrigen Ein-wohner der ihm unterworfenen Städte aber wurden zugleich von Hunger undPest auf eine furchtbare Art heimgesucht, so daß man für Ein Maß Waizen2500 attische Drachmen (2) zahlte. Unzählbar war die Menge derer, welchein den Städten starben, noch größer aber die Anzahl derer auf dem Landeund in den Dörfern, so daß die Steuerlisten, früher angefüllt mit einersehr großen Menge von Landleuten, jetzt beinahe völlig ausgestrichen wur-den , da fast alle mit einmal aus Mangel an Nahrung und an einer pest-artigen Krankheit ihren Tod fanden. Einige trugen kein Bedenken, das,was ihnen das Thenerste war, für ein klein wenig Speise an die Reicherenhinzugeben, Andere verkauften nach und nach ihre Besitzchümer nnd gerie-then dadurch in die äußerste Dürftigkeit, Einige kauten auch unbedeutendeAbfallstückchen Heu und aßen ohne Scheu schädliche Kräuter, welche ihreGesundheit zerstörten und ihnen den Tod brachten. Einige in ihrenStädten vornehme Frauenzimmer ergriffen aus Mangel das schimpfliche
(1) Das schon früher in Armenien bekannte Ehristcnthum war vor Kurzem erst durcheinen gewissen Grcgorius, der von dem Lichte, das er brachte, der Erlcuchter genannt,und der Bischof daselbst wurde, in einem weiter» Umfange in diesem Lande eingeführtworden. Was des Mariminus Krieg gegen die Armenier betrifft, so merkt man dabei an,daß dicß der erste Krieg gewesen, der wegen der christlichen Religion geführt worden ist.
(2) Ein ungeheurer Preis, wenn die Nachricht wahr oder die Lesart richtig ist. Den»die Drachme betrug ungefähr 5 Hz Groschen.
Eusebius Kirchengcschichte. 21