Druckschrift 
Kirchengeschichte
Entstehung
Seite
320
Einzelbild herunterladen
 

320 Konstantinus u. Licim'uS. Jahr Christus 312. Melchiades.Möchten sie doch in den weiten Ebenen die blühende n Saaten sehen, wiesie mit ihren Aehren Wellen werfen, die Wiesen, wie sie durch frucht-baren Regen mit Pflanzen und Bäumen geschmückt sind, und die Lust,wie sie wiederum mild und gemäßigt geworden ist. Alle sollen sichferner darüber freuen, daß durch eure Frömmigkeit, durch eure Opferund den Gottesdienst die Macht des so starken und so gewaltigen Marsgemildert ist und sollen vergnügt darüber seyn, daß sie deßwegen einesheitern Friedens in Sicherheit und Ruhe genießen kimnen. Und alle die-jenigen, welche jenen blinden Jrrthum und Abweg gänzlich verlassenhaben und zur richtigen und gesunden Einsicht wieder zurückgekehrt sind,mögen sich noch mehr freuen, daß sie, so zu sagen , von einem unerwarte-tsten Sturme oder einer gefährlichen Krankheit befrnt worden sind undsich einen angenehmen Lebensgenuß für die Zukunft bereitet haben. Wennsie aber bei ihrer verfluchten Thorheit verharren sollten, so sollen sie, wieihr verlangt habt, von eurer Stadt und eurer Umgegend verbannt undferne davon gehalten werden, damit auf diese Weise eure Stadt gemäßeuren lobenswürdigen Bemühungen in dieser Beziehung von jeder Be-fleckung und Gottlosigkeit befreit werde und nach ihrer angeerbten Neigungmit der schuldigen Verehrung die Opfer der unsterblichen Götter besorge.Damit ihr aber erkennet, wie wohlgefällig uns in dieser Beziehung eureBitte gewesen und wie unjer Herz auch ohne Dekrete und Bitten ausfreier, eigener Bewegung zum Wohlthun geneigt ist, so erlauben wirdeiner Excellenz, jede auch noch so große Gnade, die ihr wünscht, für dieseeure gottergebene Gesinnung zu erbitten. Wollt also nur bald dieß thunund sie empfangen. Denn ohneAufschub soll sie euch zu Theil werden. Dieseeurer Stadt gewährte Gnade soll für alle Zeiten ein Zengniß von eurerfrommen Verehrung der unsterblichen Götter geben und soll euren Söhnenund Enkeln verkündigen, daß ihr eine für diese enre Gesinnung wohlver-diente Belohnung von unserer Gnade erhalten habt." Dieses wurdewider uns in allen Provinzen öffentlich bekannt gemacht und benahm uns,wenigstens menschlicher Einsicht nach, alle gute Hoffnung in Betreff un-serer Angelegenheiten, so daß, nach dem bekannten göttlichen Ausspruch, (1)sogar die Auserwählten, wenn eS möglich wäre, Anstoß hierüber gelittenhaben würden. Bereits war alle Hoffnung bei den meisten von uns fasterstorben und diejenigen, welche das erwähnte Rescript gegen uns zu besor-gen hatten, waren in einigen Provinzen fast noch auf dem Wege, als aufEinmal der seine Kirche schirmende Gott seine himmlische Hülfe uns er-zeigte und dem Uebermuth der Tyrannen gegen uns gleichsam Zügel anlegte.

(!) Matth. 24, 24.