Diokletianus. Iah» Christus 306. Marcellus. 361Zwei andere Jungfrauen dagegen in dem nämlichen Antiochien, in Allemgottselig und wahrhafte Schwestern, vornehm von Geburt, reich an Ver-mögen, jung von Jahren, schön von Gestalt, ehrsam der Gesinnung, frommdem Charakter nach und ausgezeichnet durch ihren Fleiß, wurden ansden Befehl der Diener des Teufels in das Meer geworfen, gleich alswenn die Erde nicht werth gewesen wäre, solche Zierden zu tragen. Solchesnun fiel zu Antiochien vor.
Schaudervoll aber anzuhören ist das, was Andere im Pontns leidenmußten. Man durchbohrte ihnen mit einem spitzigen Rohre die Finger vonden Spitzen der Nägel an, Andern wurde geschmolzenes noch sprudelndesund glühendes Blei den Rücken hinab gegossen und die geheimsten Theiledes Körpers damit versengt. Andere mußten an den Geschlechtsteilenund Eingeweiden garstige, unbeschreibliche Martern ohne alles Erbarmenerdulden, welche jene edeln und gerechten Richter um ihre Geschicklichkeitzu zeigen, als wenn dazu eine große Kunst gehörte, im Wetteifer ersan-nen und wobei sie sich bemühten, durch die Erfindung immer neuerQualen einander zu überbieten, gleichsam als stritten sie sich um dafürausgesetzte Preise. Als sie aber schon daran verzweifelten, die Qualennoch höher treiben zu können, und müde vom Morden und der Ver-gicßung des Blutes satt und überdrüssig geworden waren, so war dasletzte von diesen Drangsalen, daß sie ans das verfielen, was ihnen Güteund Menschlichkeit zu seyn dänchte, um das Ansehen zu haben, als er-laubten sie sich keine Grausamkeit mehr gegen uns. Denn, sagten sie,es zieme sich nicht, daß die Städte mit dem Blute der Bürger besudelt,noch daß die gegen jedermänniglich gütige und gelinde Negierung derKaiser in den Ruf der äußersten Grausamkeit gebracht würde; es müssesich vielmehr der Segen der menschenfreundlichen kaiserlichen Negierungüber Alle erstrecken und es sollte fernerhin Niemand mehr mit demTode bestraft werden. Diese Strafe sey gegen uns vermöge der Men-schenfreundlichkeit der Herrscher aufgehoben. Es ging sodann der Be-fehl , (1) man solle den Christen die Augen ausstechen und das eineBein lähmen. Dieß war denn also bei ihnen Menschenliebe, dieß diegelindeste Strafe, die sie gegen uns verhängen konnte. Die Folge dieserMenschenliebe der Gottlosen war, daß man ans keinerlei Weise die Zahlderer bestimmen konnte, welchen theils zuerst das rechte Auge ausgestochenund sodann sie HUHnng mit einem glühenden Eisen ausgebrannt, theilsder linke Fuß Äir der Kniekehle ebenfalls mit glühenden Eisen gelähmtwurde uud welche man sodann zu den Bergwerken in der Provinz weni-ger zur Arbeit, als zur Mißhandlung und Qual verurtheilte. Außerdiesen allen ist auch die Menge derer unberechenbar, welche diese oder jeneKämpfe, welche nicht einmal herzuuenncn nützlich ist, (denn ihr standhaf-tes Betragen ist über alle Beschreibung erhaben) bestehen mußten. In
(1) Bon dcm Echae Mariminus, wie Laktantius (<Is m« 1U pvr«. e, 36) und Eusebiusselbst (äo mint, I'ul. c, 8) beeichten.