'Z'.ls» Diokletiauus u. Maxlniianus. I.CHr. 30Ü (203). Marcelll'nus.gejagt. Einen so großen Werth legten die Feinde der Religion darauf,in allen Stücken das Ansehen zn haben, daß sie ihren Zweck erreichthatten. Allein dieß gelang ihnen nicht auch bei den heiligen Märtyrern,von welchen eine genaue und vollständige Erzählung zu geben wir wohlnicht Worte genug haben durften.
Viertes H a u p t st ü ck.
Bon den berühmten Märtyrern Gottes, wie sie verschiedene Kronen im Keims für dieReligion sich erworben und die ganze Welt mit dem Ruf ihres Namens erfüllt haben.
Denn man konnte Tausende anführen, die einen bewunderungswürdigenEifer für die Verehrung des allmächtigen Gottes bewiesen, nicht bloßseitdem die allgemeine Verfolgung gegen uns ausbrach, sondern auchnoch viel früher, als noch die friedlichen Verhältnisse obwalteten. Dennals der Fürst dieser Welt zuerst anfing, so zu sagen, aus einem tiefenSchlafe zu erwachen und in der Zwischenzeit nach Decius und Valerianusheimlich und verborgen sich an die Gemeinden zu machen, aber nochnicht auf Einmal im Kriege gegen uns als Widersacher auftrat, sondernseine Versuche bloß gegen diejenigen, welche in Kriegsdiensten standen,richtete — er glaubte nämlich, wenn er diese zuerst niedergekämpft undbesiegt haben würde, so werde er auf diese Weise auch die Uebrigenmit leichter Mühe bewältigen können — so konnte man die meistenKriegsmänner mit der größten Bereitwilligkeit sich für das bürgerlicheLeben entschließen sehen, um nicht die Religion des allmächtigen Welt-schöpfers ableugnen zu dürfen. Denn als der Oberfeldherr (sein Name (i)ist mir unbekannt) zuerst mit der Verfolgung gegen das Heer anfing,die Soldaten musterte und ihnen die Wahl ließ, ob sie entweder Folgeleisten wollten und so im Fortbesitze des von ihnen bekleideten Rangesbleiben oder dagegen im Falle des Ungehorsams gegen den kaiserlichenBefehl desselben verlustig gehen, so zogen die meisten Streiter Christi seinBekenntniß ohne Zaudern und Bedenken der scheinbaren Ehre und demWohlstande, worin sie sich befanden, vor. Bereits aber tauschte hieund da der Eine und der Andere Verlust nicht bloß seines Ranges,sondern auch seines Lebens (2) gegen das feste Beharren bei dem Glau-ben ein, da derjenige, der den Anschlag gegen uns veranstaltete, schondamals mit einigem Maß und Ziel sogar zum Blutvergießen beiEinigen zu schreiten wagte. Denn die Menge der Gläubigen schreckte
(t) In seiner Chronik nennt ihn Eusebius Vcturius.
(2) In diese Zeit setzt die ums Jahr 520 zuerst erwähnte und später eben so oft be-strittene als geglaubte Sage den Untergang der aus lauter Christen bestehenden thcbaischcnLegion, welche unter ihrem Anführer Mauritius von dem Augustus Maximianus zur Ver-folgung ihrer Mitbrüdcr in das Abendland beordert, bei Agaunum (jetzt St. Maurice imKanton Wallis) sich weigerte, dem Kaiser hierin zu gehorsamen und sodann niedergemetzeltwurde.