280 Divkletianus. Jahr Christus 296. Marcellmus.
Schrift und erlernte auch die hebräische Sprache, so daß er sogar die he-bräischen Schriften mit Fertigkeit lesen konnte. Er hatte eine vorzüglicheErziehung genossen und war in den griechischen Vorbereitnngswissenschaftenkeineswegs Fremdling, übrigens ein gsborner Eunuch, (1) daher ihm derKaiser als einer Seltenheit seine Gewogenheit schenkte und ihm die Aufsichtüber die Purpnrfärberei zu Tyrns übertrug. Diesen haben wir die heiligeSchrift von der Gemeinde nicht ohne Geschick auslegen gehört. NachCyrillus überkam das Bisthum zu Antiochien Tyrannns, zu dessen Zeitdie Zerstörung der Kirchen in ihrem vollen Gange war. Der Gemeindezu Laodicea stand nach Sokrates Eusebius vor, ans Alexandrien gebürtig.Veranlassung zu seiner Uebersiedelnng von dieser Stadt in jene gab ihm derHandel mit Paulus von Samosata. Als er nämlich wegen des letzternnach Syrien gekommen war, so ließen ihn die dortigen Freunde der Reli-gion nicht mehr nach Hause zurückkehren. Er war unter unfern Zeitgenos-sen einer der liebenswürdigsten Verehrer GotteS, wie auch schon aus denangeführten Worten des Dionysius ersichtlich ist. Sein 'Nachfolger warAnatolins und wie es im Sprichwort heißt, ein Tresslicher folgte dem andern.Dieser Anatolins war ebenfalls ans Alexandrien gebünig und nahm seinerGelehrsamkeit, seiner griechischen Bildung und seiner philosophischen Kennt-nisse wegen den ersten Rang unter den bewährtesten Männer» unserer Zeitein. Denn er hatte es in der Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Logik,Physik und in den rhetorischen Künsten auf das Höchste gebracht, weßhalbihn auch die Bürger Alexandria's gebeten haben sollen, eine Schule deraristotelischen Philosophie in ihrer Stadt zu errichten. Man erzählt sicheine ganze Reihe edler Handlungen von ihm, während der Belagerung desPyruchinmS (2) zu Alexandrien, wo er von Allen gewürdigt worden in daShöchste Magistratokollegium aufgenommen zu werden; indeß will ich alsBeispiel nur folgenden einzigen Zug von ihm erzählen. Als es den Be-lagerten an Getreide fehlte, so daß schon der Hunger ihnen unerträglicherfiel, als die Feinde drausseu, so traf Anatolins, der zugegen war, folgendeVeranstaltung. Der eine Theil der Stadt war auf Seite des römischenHeers und somit von der Belagerung frei. Eusebius — denn dieser hattesich damals noch nicht nach Syrien übergesiedelt, sondern war noch zuAlexandrien — befand sich bei den Nichtbelagerten, und hatte sich einensolchen Ruhm und weitverbreiteten Namen erworben, daß er bis zu dem
(1) Als Eunuch konnte Dorothcus nach der (offenbar aus dem Judcnthum stammen-den) Regel? daß zum priesterlichen Amte auch körperliche Integrität und Vollkommenheitgehöre, eigentlich kein Kirchenamt bekleiden, allein die ältere Kirche war nachsichtig gegenkörperliche Mängel, wenn nur sonst eine ausgezeichnete Tüchtigkeit vorhanden war.
(2) Ammianus Marcellinus und Andere nennen diesen Platz, der einen Theil der StadtAlexandrien ausmachte oder eine Vorstadt war, Bruchium, Epiphanius Brachium. Derletztere erzählt, daß in demselben die von Ptolomäus Philadclphus angelegte Bibliothek ge-standen habe und daß dieser Platz jetzt wüste ftp. Die Belagerung selbst fällt in die Re-gierung des Klaudius, da, während dieser Kaiser im Norden des Reichs gegen die Germanenkämpfte, Zenobia durch ihren Heerführer Zabdas Aegypten besetzen ließ und eine Besatzungnach Alexandrien warf, der römische Heerführer Probus aber Widerstand leistete und zuletztdie Palmyreners aus Aegypten vertrieb.