2 70 Auvelianus. Jahr Christus 27t. Dionysius.
„wenigstens in Verdacht gekommen sind, daher er denn auch, zugegeben,„daß er sich nichts Ungebührliches erlaube, doch wenigstens den Verdacht,„ der ans so etwas natürlicherweise entspringen muß, hätte meiden sollen,„um Niemauden zu ärgern, noch viel weniger aber zur Nachahmung zu„reizen. Denn wie vermöchte derjenige einen Andern zu tadeln oder zur„Vorsicht zu ermahnen, nicht zu viel mit einer Person weiblichen Ge-schlechts beisammen zu seyn, daß er nicht salle, wie geschrieben steht,„welcher schon eine von sich entlassen und noch zwei blühende, wohlgebildete„Personen bei sich hat und sie ans seinen Reisen mit sich nimmt, auf wel-„chen er noch dazu der Schwelgerei und Völlerei fröhnt. Darüber seufzen„und wehklagen denn Alle in der Stille, allein sie fürchten seine Macht„und Tyrannei so sehr, daß ihn anzuklagen Niemand wagt. Jndeß über„dergleichen Dinge würde man, wie wir uns schon früher erklärt haben,..einen Mann zur Rede stellen, welcher doch wenigstens noch eine katholische„Denknngsart hätte und der noch zu uns gezählt würde; allein von einem„Menschen, der das Geheimniß unserer Religion verspottet hat und mit„der verruchten Ketzerei des Artemas (1) — denn warum sollte man nicht„endlich seinen Varer nennen — groß r-hnt, glauben wir keine Rechenschaft„über solche Handlungen zu fordern nöthig zu haben." Sodann setzen sie ^am Ende des Schreibens noch Folgendes hinzu: „So haben wir uns also„genvthigt gesehen, diesen Widersacher Gottes, der nicht nachgeben wollte,„auszuschließen und an seiner Stelle der katholischen Kirche einen andern„Bischof, nach Gottes Fügung (wie wir hoffen), zu setzen, nämlich des„seligen Demetriauus, der vor Paulus dieser Kirche mit Ruhm vorgestan-„den, Sohn DomnuS, einen Mann, der mit allen einem Bischöfe ge-ziemenden Gaben geziert ist. Wir thnn euch dieß deßwegen zu wissen,„damit ihr an ihn schreibet und die GcmcinschaflLbriefe(2) von ihm an-„nehmet. Paulus aber mag an Artemas Briefe schreiben und die, welche„dieselbe Anficht wie Artemas haben, mögen Gemeinschaft mit diesem hal-bsten." Dieses haben wir hier anzuführen für nothwendig gehalten. Danun Paulus zugleich mit seiner Nechtgläubigkeit auch daS Bischnm verlorenhatte, so wurde, wie schon gesagt, Domnus sein Nachfolger in Leitung derGemeinde zu Antiochien. Allein weil Paulus auf keine Weise ans demKirchenhause (3) weichen wollte, (4) so wurde der Kaise-r Aurelianus deß-halb angegangen, der die Sache auf das Angemessenste entschied. Er befahl
(1) Oder Artemon. Man sehe oben 5, 28.
^/.Diejenigen Briefe, welche besonders die ncugewordcnen Bischöfe an die übrigenhcrumschicktcn und darin theils ihre Gelangung zum bischöflichen Stuhl meldeten, thcilszu crcennm gaben, daß sie in der Kirchcngemcinschast mit ihnen stehen wollten. Stroth.... /je) darunter ist wohl das dem Bischöfe von der christlichen Gemeinde zur Wohnunguberlasscne Haus zu verstehen; Jos. Mcde versteht darunter das dem Gottesdienste gewid-mete Haus. Vielleicht könnte es, wie Stroth annimmt, beides zugleich gewesen seyn.
(4» Paulus behielt nach dem Absetzungsurtheil noch einige Jahre lang seine Stelle undunterwarf sich dem Ausspruch der Bischöfe nicht im Vertrauen auf seine Gönncrin Zcnobia.r.rst nach ihrem stürze gingen die Bischöfe den Kaiser Aurelianus an, und dieß war imdritten Jayre seiner Regierung.