274 AnrelianuS. Jahr Christus 271. Dionysius.
„verschob also sein Urtheil, betrogen von dem, der seinen Gott und„Herrn verlängnet und den Glauben, welchen er vormals hatte, nicht„verwahrt hat. Firmilianns wollte indessen, weil er Paulus gottes-„lengnende Bosheit kennen gelernt hatte, auch jetzt wieder nach Antio-„chien sich begeben und war bereits bis Tarsus gekommen, allein als wir„uns versammelt hatten, ihn einluden und auf seine Ankunft warreten,„starb er." Etwas weiterhin entwerfen sie von dem Leben und Wandeldes Paulus folgende Schilderung: „Da er von der Richtschnur des Glau-bens abgefallen und zu falschen, unachten Lehrsätzen übergetreten ist, so„ist es nicht nothig, daß man seine Handlungen, als eines Mannes, der„draußen ist, benrtheile, weder dieß, daß er, der früher arm und ein„Bettler gewesen, und weder von seinen Voreltern einiges Vermögen„überkommen, noch durch irgend ein Gewerbe oder eine Beschäftigung„sich ein solches erworben hatte, nun zu einem übermäßigen Reichthum„.gelangt ist durch Gottlosigkeit, Kircheuraub und durch das, was er von„den Brüdern durch Fordern oder Vedräuen erpreßt, indem er Leute,„die beleidigt worden, hintergeht und ihnen gegen Bezahlung Hülfe ver-„spricht, aber auch diese täuscht und von der Streitenden Bereitwilligkeit„zum Bezahlen, um nur der lästigen Sache los zu werden, Gewinn„zieht und ohne etwas dafür zu lhnn, und so die Religion als ein Er-werbsmittel betrachtet, noch daß er hochmüthig ist, sich überhebt und„weltliche Ehrenftellen bekleidet, sich lieber Duceuarius (1) als Bischof„genannt wissen will, auf den öffentlichen Plätzen hoffärtig einherschreitet,„während des Gehens öffentlich Briefe liest und diktirt, umgeben von einem„großen Gefolge solcher, die ihm voranschreilen oder nachfolgen, so daß„sogar unser Glaubewegen seiner Aufgeblähtheir und seinesHochmulhs an-„gefeindet und gehaßt wird. Eben so wenig wollen wir die Prunksucht dieses„Menschen bei den kirchlichen Versammlungen, welche er voll eiteln Haschens„nach äußerlicher Ehre eifrigst zeigt, wodurch er die Gemüther der Nn-„erfahrenen zur Bewunderung hinreißt, erwähnen. Er hat sich nämlich„eine Bühne und einen erhabenen Thron errichten lassen nicht wie ein„Jünger Christi, und hat gleich den weltlichen Obrigkeiten ein geheimes„Stübchen, (2) das er auch nach seinem Namen nennt. Er schlägt mir„der Hand an die Hüften, (3) stampft mit den Füßen auf die Bühne
(1) Der Ducenarius war ein kaiserlicher Prokurator, welch.r von den Einkünften denNamen hatte, welche in 200,000 Scstertccn (etwa 9000 Neichsth.) bestanden. Aus Selleröuniiguilies ut pnlin^rn p. 166 ff. erhellt, daß dieses Amt besonders in Syrien stattfand.Paulus erhielt dieses bedeutende Amt wahrscheinlich von seiner Gönnen» Zcnobia, so langediese Herrin des Orients war.
(2) Es war ein mit Schranken eingeschlossener und mit Vorhängen ver-deckter Ort, worin die Obrigkeiten und Richter saßen und denen, die etwas bei ihnen zusuchen hatten, Bescheid crtheilten.
(6) So wie es noch jetzt Handlungen gibt, die bei Personen vom weltlichen Standenicht auffallen, bei einem Geistlichen aber unanständig seyn würden, so war es mit demSchlagen an die Hüfte. Dieß war seit uralten Zeiten ein Zeichen des heftigen Unwillens,auch wohl der Drohung und des Zorns, wovon wir hin und wieder bei den alten Schrift-stellern viele Beispiele finden. Eine für eine» Bischof eben so unschickliche Handlung wardas Stampfen.