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Kirchengeschichte
Entstehung
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238
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238 Decius. Jahr Christus 252. Kornelius.

ucbft einem großen und unzählbaren Volke ihn von seinem so verzwei-felten und unsinnigen Vorhaben abhalten und zur Kirche zurückrufen."Etwas weiterhin setzt Kornelius noch Folgendes hinzu: ..Wohlan nun,jetzt wollen wir noch weiter anführen, auf welche Werke oder welcheCvnnez'ivnen vertrauend, er nach dem Bisthum gestrebt hat. Etwadeßwegen, weil er sich von Anfang an in der Kirche befunden, vieleKämpfe für sie gekämpft und der Religion wegen viele und große Gefahrenbestanden hat ? Nein, keineswegs. Denn ihm war die Veranlassung zumGlanben der Satan, der in ihn gefahren war und eine geranmeZeit in ihmgewohnt hatte. Wie ihm von den E.vorcisten Hülfe wurde, fiel er in eineschwere Krankheit und empfing, weil man ihn dem Tode nahe glaubte,in dem Bette selbst, worin er lag, die Taufe durch Besprengung,(ä) wennman anders von einem solchen Menschen überhaupt sagen kann, daß erwirklich die Taufe empfangen habe. Jndeß empfing er nach seiner Wie-dcrgenesung nicht einmal das Uebrige, was ihm noch nach dem kirchlichenGebrauche ertheilt werden sollte, namentlich auch nicht von dem Bischöfedie Confirmation. (2) Da er aber diese nicht empfangen hat, wie konnteer des heiligen Geistes theilhaftig werden ?" Erwas weiterhin fährt Kor-nelius so fort:Zur Zeit der Verfolgung hat er aus Feigheit und Liebezum Leben geleugnet, daß er ein Presbyter sey. Wie er nämlich von denDiakonen dringend gebeten und aufgefordert wurde, er möchte doch dasGemach, worin er sich eingeschlossen hatte, verlassen und den Brüdernbeistehen, in so weit es für einen Presbyter Pflicht und möglich ist, denin Gefahr befindlichen und des Beistandes bedürftigen Brüdern solchenzu leisten, so war er so weit entfernt, ihrer Bitte zu willfahren, daß erunwillig wegging und sie stehen ließ mit den Worten, er wolle nicht weiterPresbyter seyn, sondern er sey ein Anhänger einer andern Philosophie."(Z)

(1) Damals geschah die Taufe gewöhnlich noch mit Untcrtauchung. Nur bei Krankenmachte man eine Ausnahme und man ertheilte ihnen die Taufe durch Besprcngung. Alleinmanche, die zu sehr an dem Aeußcrlichen klebten, hegten den, schon damals von Cyprianmit Nachdruck bekämpften Wahn, daß eine Taufe letzterer Art keine vollgültige sey und sieunterschieden die durch Besprcngung Getauften von andern Christen durch den Namen Cli-men Diese wurden in dem zwölften Kanon des neu-cäsarecnsischen Konciliums sogar vonder Presbyterwürde ausgeschlossen

(2)'Darunter ist die Handauflcgung zu verstehen, wodurch die Bischöfe den Getauftenden heiligen Geist mitthcilten. Wenn auch die Presbyter und im Nothfall auch die Dia-konen taufen durften, so stand doch die Ausübung des heiligen Aktes der Handauflcgung nurden Bischöfen zu, welche daher zuweilen ihre Kirchsprengel durchwandern mußten, um dendurch ihre Landgeistlichcn Getauften die Konfirmation zu erthcilen.

Rcandcr (Kirchcng. I. t. p. 39t) äußert sich über diese Stelle folgendermaßen:Wir können hier nur rathcn, um die zum Grunde liegende Thatsache von der Entstellungdurch die gehässige Darstellung des Kornelius zu sondern. Unter derandern Philosophie"ist wohl wahrscheinlich das zurückgezogene Ascetcnlcben im Verhältnisse zu dem geistlichenStande zu verstehen. Rovatian mochte eine Zeit lang sich als Ascet in die Einsamkeit zu-rückgezogen und den öffentlichen Geschäften sich entzogen haben. Das paßt zu dem strengenCharakter, der sich in seinen Pönitenzgrundsätzcn aussprach, und als Ascet konnte er auchbei der Gemeinde in besonderem Ansehen stehen. Novation mochte darin Unrecht gehabthaben, daß er, durch einen falschen Ascetismus verleitet, die christliche Liebe vergaß undseine geistliche Ruhe und Einsamkeit nicht verlassen wollte, um den seiner pricstcrlichenHülfe bedürftigen Brüdern zu dienen, aber Kornelius erlaubte sich, dieser Handlungsweiseeinen andern Beweggrund, der zu dem Charakter Rovatians gar nicht paßte, unterzuschieben.