I9tt Severus. Jahr Christus ^00. Victor.*
liegende Geschichte sehr wohl paßt. Der Verfasser thnt darin dar, daß dievorgedachte Ketzerei, welche behauptet, daß unser Erlöser ein bloßer Menschgewesen, nur erst vor knrzerZeit ans die Bahn gebracht worden sey, währendihre Stifter sie als eine alte rühmen wollten, und berichtet sodann, nachdemer noch vieles Andere zur Widerlegung ihrer lästerlichen Lngenlchre vorge-bracht, wörtlich Folgendes: „Sie behaupten, daß das, was sie jetzt vorbrin-gen, alle Alte und selbst die Apostel gelehrt worden seyen und gelehrt haben„und daß sich die Wahrheit der Lehre bis ans die Zeiten Victors, welcher„von Petrus an der töte Bischof zu Rom gewesen, erhalten habe, daß die-selbe aber von seinem Nachfolger ZephyrinnS an verfälscht worden sey.„Diese Behauptung durste vielleicht einige Wahrscheinlichkeit haben, wenn„nicht erstlich die heilige Schrift ihr entgegen stände. Zweitens aber sind„auch noch Schriften von einigen Brüdern vorhanden, welche über die Zeiten„Victors Hinansreichen, und welche für die Wahrheit gegen die Öeiden und„die damaligen Ketzereien geschrieben sind, nämlich von Jnstinus, Miltiades,„Tatianns, Klemens und mehreren Andern, in welchen allen die Göttlichkeit„Christi behauptet wird, bind wer kennt nicht die Schriften des Jrenäus,„Melitv und der Andern, die Christus für einen Gott und für einen Men-schen erklären? bind wie viele Psalmen und Lieder, die von Anfang an„von gläubigen Brüdern geschrieben worden sind, besingen Christum, den„Logos Gottes und preisen seine Gottheit. Wie ist es nun, da seit so vie-rten Jahren die kirchliche Lehrmeinnng gepredigt worden, möglich, daß„die Lehrer bis auf die Zeiten Victors so, wie sie sagen, gepredigt haben„sollten ? Wie? schämen sie sich nicht dergleichen Unwahrheiten gegen Victor„vorzubringen, da sie doch recht gut wissen, daß Victor den Schuster Theo-,,dotns,(1) den Stifter und Urheber dieses gotteslengnerischen Abfalls ans der„Kirchengemeinschaft ausgeschlossen hat, weil er zuerst behauptet hatte, daß„Christus ein bloßer Mensch sey? Denn wenn Victor ihrer Aussage nach„so, wie ihre Lästerung lehrt, gedacht hätte, wie hätte er den Theodvtns,„den Erfinder dieser Keyerei, aus der Kirche stoßen können ?" So viel, wasden Victor berrifft. Nachdem dieser 10 Jahre lang der römischen Kirchevorgestanden, wurde ZephyrinnS, ungefähr im Sten Jahr der RegierungdeS Severus, sein Nachfolger. Der Verfasser des vorhin angeführten Buchsvon dem Stifter der genannten Sekte erzählt auch noch eine andere Ge-schichte, welche unter ZephyrinnS vorgefallen ist und also lautet: „Ich„muß vielen Brüdern eine zu unserer Zeit vorgefallene Begebenheit in das„Gedächtniß zurückrufen, von welcher ich glaube, daß, wenn sie zu Sodom
* I. Ch. 202. Zcphyrinus I-itcr Bischof zu Rom.
l t) Er war aus Byzanz und ist nicht mit dcm obcn Hauptst. 3. und 16. angcführ-tcn Montanisten Thcodocus zu verwechseln. Als er in einer Verfolgung Christum abge-leugnet hatte, und man ihm deshalb zu Rom, wohin er sich begeben, Vorwurfe machte,versicherte er, einen bloßen Menschen abgeleugnet zu haben. Ob übrigens Theodotus Christumfür einen gewöhnlich natürlich erzeugten, oder für einen übernatürlich erzeugten Menschen ge-halten hat, laßt sich bei der Verschiedenheit der Angaben nicht sicher entscheiden; doch dürftedas Letztere wahrscheinlicher seyn.