Kommodus. Jahr Christus 186. Clenthsruck 173
einem ähnlichen Jrrthum, wie Floriuuö, befangen war. Diese wußtenMehrere von der Kirche wegzuziehen und auf ihre Seite zu bringen, dochversuchte der eine derselben ganz eigcnthümliche Neuerungen in Betreff derWahrheit.
Sechstel)ntes Kauptstück.
Was von Montanus und seinen falschen Propheten erzählt wird.
Wider die sogenannte kataphrygische Sekte nun stellte die für dieWahr«heit kämpfende Macht eine unbezwingliche Schutzwehr, den Apollinaris,Bischof zu Hierapolis, dessen ich schon früher in meiner Geschichte gedachthabe, und noch mehrere andere damals lebende kenntnißreiche Männer auf,welche uns auch einen reichen Stoff zu unserer Geschichtsdarstelluug hinter-lassen haben. Einer derselben (1) meldet gleich im Anfange seiner Schriftwider sie, daß er zuerst auch mündlich gegen sie gestritten und sie widerlegthabe. Er beginnt nämlich seine Schrift also: „Obgleich du mich schon seit„einer langen und geraumen Zeit, mein geliebter Aoircius Marcellus, an«„gegangen Haft, eine Schrift wider die nach dem Alcibiades (2) benannteSekte zu verfassen, so habe ich doch bis jetzt immer angestanden, nicht so«„wohl aus Unvermögen, die Lüge zu widerlegen und für die Wahrheit zu„zeugen, als vielmehr aus Furcht und Besorgnis;, es könnten einige von„mir glauben, daß ich zur evangelischeu Lehre deö neuen Testaments etwas„Neues hinzusetzen und beifügen wolle, da doch ein Mann, der sein Leben„nach dem Evangelium einzurichten entschlossen ist, etwas weder zu dem-„selben hinzusetzen, noch von demselben wegnehmen darf. Da ich aber„neulich zu Aucyra in Galatien war und die dortige Gemeinde von dieser„neuen — nicht, wie sie sagen — Prvphetie, sondern vielmehr — wie gezeigt„werden soll — Lügenprophetie ganz übertäubt fand, so habe ich, so viel„mir möglich war mit der Hülfe deö Herrn, sowohl darüber, als auch über„alles Andere, das sie vorbrachten, von jedem besonders, mehrere Tage„lang in der Gemeinde diöputirt, so daß diese höchlich erfreut und in der„Wahrheil befestigt, die Gegenpartei aber für jetzt zurückgeschlagen ward„und die Widersacher nicht geringen Schmerz empfanden. Da mich nun„die dortigen Presbyter in Gegenwart meines Milpresbyters ZotikuS Otre-„nus, baten, ich möchte ihnen ein schriftliches Andenken von dem, waS„hier gegen die Feinde der Wahrheit war von mir vorgebracht worden, hin-„terlassen, so that ich es zwar nicht, versprach aber, mit Hülfe GotteS eine
st) Wer dicß ist, läßt sich nicht mit Gewißheit bestimmen. Rufsinus und Nicephorus,so wie Baronius haben an den so eben genannten Bischof Apollinaris gedacht. Dieser hatzwar gegen die Montanisten geschrieben, allein bei ihrem ersten Auftreten und in dem Fol-genden wird von dem Tode des Montanus, der Marimilla und des Thcodosius gesprochen.Hieronymus in seinem Buche von den Kirchcnschriftstcllcrn nennt den Apcllonius als Ver-fasser, wiewohl er an einer andern Stelle den Rhodon dazu machen zu wollen scheint.
(2> Dieser war einer der vornehmsten Stifter der kataphrygische» Sekte. Siehe obenHauptstück 3.