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Kirchengeschichte
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Kommodus. Jahr Christus 186. Cleutherus. I7l

herbeigeführt und widerlegt die falschen Lehren, welche jeder derselben er-sonnen, mit großer Gründlichkeit. Man lese von ihm folgende Stelle:Deßwegen stimmen sie auch nicht mit sich selbst überein, weil sie unhalt-bare Meinungen behaupten. Apelles, nämlich, der wegen seines Wan-dels(1) und seines hohen Alters in Ansehen steht, nimmt nur einen Ur-grnnd an, und läßt die Weissagungen der Propheten von einem feind«liehen Geiste ausgehen, worin er den Aussprüchen einer besessenen Jung-frau, Namens Philumene, folgt. Andere aber nehmen, wie der Schif-,,fer(2) Marcion selbst, zwei Grundwesen (3) an. Zu diesen gehören Poti-tus uud Basilikus. Diese folgten dem politischen Wvlf,(ä) und da sieeben so wenig, wie dieser, den Grund der Verschiedenheit der Dinge findenkonnten, so machten sie es sich leicht und nahmen geradezu ohne allenBeweis zwei Principien an. Andere von ihnen geriethen auf noch schlim-mere Abwege und nahmen nicht bloß zwei, sondern sogar drei Grundwesenan; der Urheber und Stifter dieser Lehre ist, wie die Anhänger seinesSystems behaupten, Synervs." Nhodon schreibt auch, daß er eine Unter-redung mit Apelles gehalten habe. Seine Worte sind folgende:Dergreise Apelles hatte ein Gespräch mit uns, allein er wurde überwiesen,daß er in vielen Stücken Unrecht habe. Deßwegen sagte er auch, manmüsse die Lehre gar nicht untersuchen, sondern ein Jeder solle bei seinemGlauben bleiben. Denn es würden, behauptete er, alle, die aus Christumhofften, scelig, wenn sie nur in guten Werken erfunden würden. Als derdunkelste Gegenstand erschien ihm, wie ich schon gesagt habe, die Lehre vonGott. Denn er behauptet ein Gruudwesen, wie auch unsere Lehre."Nachdem sodann Rhodon sein ganzes System dargestellt, fügt er hinzu:Als ich zu ihm sagte, sage uns, womit beweisest du dieses oder wie kannstdu ein Grundwesen behaupten, so entgegnete Apelles,(5) daß die Aus-sprüche der Propheten sich selbst widerlegten, da sie gar nichts Wahresenthielten. Sie stimmen gar nicht mit einander überein, seyen falsch undwidersprechen einander. Wie aber ein Gruudwesen sey, wisse er zwarnicht, fühle sich jed-och zu diesem Glauben gedrungen. Wie ich ihn sodannaufforderte, mir endlich die Wahrheit zu sagen, so schwur er, daß er die

(N Eine weniger günstige Schilderung von des ApellcS Sitten macht Tertullian.

(2) So nennt ihn auch Tcrtullianus an mehreren Stellen. Walch und Strothglauben, daß er seines Vaterlandes Pontus wegen, welches der ganzen Länge nach amMeere liegt und starke Schifffahrt trieb, so genannt worden sey.

(3) Rhodon scheint hier zu irren. Nach allen andern Nachrichten nahm Marcion dreiPrincipien an: t) den höchst vollkommenen, guten und gnädigen Gott, der vermöge seinesheiligen Wesens in gar keine Berührung mit der Materie kommen kann; 2) den an Ein-sicht und Macht beschränkrcn Dcnnurg, welcher aber ljuridlsch) gerecht sey; Z) die vonEwigkeit her vorhandene Materie, die Quelle alles Bösen. Doch ließe sich die NachrichtRhodens mit den andern so vereinigen, daß vielleicht Marcion auch, wie die andern Gnosti-ker, den Ursprung des unvollkommcncn Demiurgs nach einer gewissen Entwicklungsreihevon dem vollkommenen Gott abgeleitet hätte.

(4) So heißt Marcion, weil er aus Pontus war.

(5) Dieß scheint beim ersten Anblick keine Antwort auf die vorgelegte Frage zu se»n;sie ist es aber wirklich. Apelles antwortet zuerst verneinend: aus den Schriften der Pro-pheten könne er dieß nicht beweisen. Stroth.