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Kirchengeschichte
Entstehung
Seite
157
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M. Aurelius. Jahr Christus 178. Cleutherus. 157kam.(1) Da bemächtigte sich Unwille der Menge, daß diejenigen,welche vorher verleugnet hatten, jetzt wieder bekannten und sie erhobenein Geschrei wider Alexander als wider den Urheber davon. Auf dießnahm ihn der Statthalter vor und befragte ihn, wer er wäre. Als Alexan»der antwortete, er sey ein Christ, ergrimmte der Statthalter und vernr-theilte ihn zu den wilden Thieren. Am folgenden Tage betrat er mitAttalus (denn auch diesen ließ der Statthalter, dem Volke zu Gefallen,noch einmal den wilden Thieren vorwerfen) (2) den Schauplatz. Nachdembeide in dem Amphitheater alle und jede zum Martern erfundenen Jn-strnmente an sich erprobt und den größten Kampf ausgestanden hatten,wurden zuletzt auch sie niedergestoßen. Alexander ließ weder einen Seuf-zer, noch überhaupt einen Laut von sich hören, sondern sprach in seinemHerzen mit Gott. Attalas hingegen, als er auf dem eisernen Stuhl saßund sein Körper auf allen Seiten gebraten wurde und der Dampf davonaufstieg, sagte zu der Menge in lateinischer Sprache:Seht, das, wasihr thut, das ist Menschen verzehren. Wir aber essen weder Menschen,noch thun wir sonst etwas BöseS." Um den Namen Gottes befragt, ant-wortete er:Gott hat keinen Namen gleich einem Menschen." Endlichnach allem diesem am letzten Tage der Kampfspiele wurde Blandina nocheinmal auf den Schauplatz geführt mit einem jungen Menschen von etwa15 Jahren, Namens Pvntikus. Diese waren auch schon vorher jedenTag hereingeführt worden, um die Qualen der Uebrigen mit anzusehenund man wollte sie zwingen, bei den heidnischen Götzen zu schwören. Alleinsie blieben fest und standhaft und verachteten diese, weßhalb der Pöbel sowütheud wurde, daß er weder Mitleid mit der Jugend des Knaben hatte,noch Rücksicht auf das Geschlecht der Blandina nahm. Man ließ sie alleQualen empfinden und eine Art von Folter nach der andern durchmachen,wobei man sie ohne Unterlaß zwingen wollte, zu schwören, ohne daß manjedoch diesen Zweck hätte erreichen können. Denn Pontikns ward von derSchwester ermuthigt, so daß auch die Heiden es sehen konnten, daß diesees war, welche ihn ermunterte und befestigte. Er gab endlich den Geistauf, nachdem er alle Martern männlich ausgehalten hatte. Die seligeBlandina aber eilte zuallerletzt, gleich einer edelgesinnten Mutter, welcheihre Kinder ermuntert und als Sieger zum Könige vorausgesandthat, ebenfalls alle Kämpfe ihrer Kinder durchmachend, freudig hin zudiesen und entzückt über den Ausgang, wie wenn sie zu einem Hochzeitmahlgeladen und nicht den wilden Thieren vorgeworfen wäre. Nachdem sieden Streichen der Geißel, der Wuth wilder Thiere und den Qualen desRostes (Z) ausgesetzt gewesen war, wurde si: zuletzt, in ein Netz gesteckt,

(1) Dieser metaphorische Ausdruck kommt daher, weil er durch seine Ermahnungen,so zu sagen, der Kirche Kinder gebar.

(2) Ganz gesetzwidrig, da er ein römischer Bürger war.

(3) Dieser Rost ist eben das Folterinstrumcnt, welches sonst unter dem Namen deseisernen Stuhles vorgekommen ist; er wurde durch untergelegte Kohlen glühend gemachtund dann der Berurtheilte darauf gesetzt. Stroth.