M. Aurelius. Jahr Christus 178. Clentherus. 155„machen, wie wenn sie vorher noch ganz und gar nichts erlitten hätten, oder„vielmehr sie erduldeten als Kämpfer, die schon in mehreren Gängen den„Gegner überwältigt haben (1) und jetzt um die Krone selbst ringen, wie-„derum die Hiebe der Geißeln, deren sie daselbst schon gewohnt worden wa-„ren, das Hernmgerissenwerden von den wilden Thieren, kurz Alles, was„eine wüthcnde Volksmenge mit von allen Seiten herschallendem wildem„Geschrei haben wollte, und endlich auch den eisernen Stuhl, ans welchem„die Körper geröstet wurden und die Nasen der Zuschauer mit Duft erfüllten.„Allein auch hiemit horten sie noch nicht ans, sondern geriethen nur noch„mehr in Wuth und wollten die Standhaftigkeit der Märtyrer überwinden.„Aber dennoch horten sie von Sanktus weiter nichts, als das Bekenntniß-„wort, welches er gleich von Anfang an gesagt hatte. Da nun die Mär-„tyrer in dem großen Kampfe das Leben lange nicht verlassen wollte, so„wurden sie zuletzt erwürgt, nachdem sie diesen ganzen Tag hindurch statt„aller jeuer mannigfachen Abwechslung, welche bei den Fechikämpfen statt-„findet, selbst dem Volke zum Schauspiel gedient hatten. Blandina aber„wurde an einem Holze aufgehängt (2) und sollte so den aus sie losgelassenen„wilden Thieren zum Fraß dienen. Ihr anhaltendes Gebet und ihr„Anblick — sie war nämlich in der Gestalt des Kreuzes aufgchenkt — er-weckten in den Kämpfenden großen Muth, da diese im Kampfe auch mit„ihren leiblichen Augen in der Person der Schwester den für sie Gekreuzig-ten erblickten, um die, welche an ihn glaubten, zu überzeugen, daß jegli-„cher, der für die Ehre Christi leidet, ewige Gemeinschaft mit dem lebendigen„Gott hat. Da nun damals keines von den wilden Thieren sich an sie„machte, so wurde sie vom Holze herabgenommcn und wiederum in das Ge-„fängniß geworfen und für einen andern Kampf aufbewahrt, damit sie„durch ihre Siege in mehreren Kampfproben einestheilS der hinterlistigen„Schlange die Verdammuiß unvermeidlich mache, anderntheils, damit sie,„die Kleine, Schwache und Verächtliche, angethan mit dem großen und„unüberwindlichen Kämpfer Christus, in mehreren Gängen den Gegner„überwältigen und durch den Kampf mit der Krone der Unsterblichkeit ge-krönt, die Brüder ermuthigen möchte. Auch Attalas wurde — er war„ein angesehener Mann — vom Volke heftig herausverlangt und schritt als„ein bereiter Kämpfer im Bewußrseyn eines guten Gewissens hinein, da er„in den Grundsätzen des Christenthums trefflich sich geübt und immer als„ein Zeuge der Wahrheit unter uns sich erwiesen hatte. Er wurde rings-herum im Amphitheater geführt (Z) und eine Tafel vor ihm hergetragen,„worauf in lateinischer Sprache geschrieben stand: Dieß ist der Christ Attalus.
(1) Wie so manche Ausdrücke in diesem Briefe, so ist auch dieser von den Kampfspie-len hergenommen. Bei diesen mußten dle jedesmaligen Slcgcr immer von Neuem miteinander kämpfen und das Loos entschied es, wer des andern Gegner wurde; der zuletztUcbriggeblicbene kämpfte um die Krone. Stroth.
(2) Weil sie eine Sklavin war.
(3) Dieß war gewöhnlich, damit die Zuschauer den Fechtern und den zu de» ThierenVcrurtheilten in das Gesicht sehen und sie kennen lernen konnten.