Druckschrift 
Kirchengeschichte
Entstehung
Seite
153
Einzelbild herunterladen
 

M. Aurelins. Jahr Christus 178. Eleutherns. 133

nämlich Einkerkerung an finsteren und unheimlichen Orten, die Ausspan-nuug der Fuße im Block, die bis zum fünften Loch auseinandergedehntwurden (1) nni» noch alle andern dergleichen Martern, womit erboste unddazu ganz des Teufels volle Henkersknechte die Gefangenen zu quälenpflegen. Es erstickten daher die meisten derselben im Gefängnis;, so vielihrer nämlich der Herr auf diese Art aus der Welt abberufen und an ihnenseine Ehre verherrlichen wollte. Denn diejenigen, welche so schwere Mar-tern erduldet hatten, daß man hätte glauben sollen, sie könnten nicht mehrleben, auch wenn ihnen die sorgsamste Pflege zu Theil werden würde, blie-ben zwar verlassen von menschlicher Fürsorge, aber von dem Herrn kör-perlich und geistig gestärkt und erkräftigt am Leben und crmahnten undtrösteten die Uebrigen. Die neuen Ankömmlinge dagegen, die eben erstergriffen worden waren, hielten, obgleich ihr Körper vorher keine Folternausgestanden hatte, die Beschwerlichkeiten des Gefängnisses nicht aus,sondern starben darin. Auch der über 90 Jahre alte Bischof der Gemeindezu Lugdunum, der selige Pothinus, der am Körper so schwach war, daß erwegen Entkräftung kaum noch athmen konnte, der aber von einem Geisteder Freudigkeit wegen der ihm inwohnenden Sehnsucht nach dem Mär-tyrerthum mit Kraft erfüllt war, wurde vor den Nichterstuhl geschleppt.Sein Körper war zwar von Alter und Krankheit ganz geschwächt, alleinsein Geist noch in voller Kraft, damit Christus durch ihn triumphirenmöchte. Dieser legte, als er von den Soldaten unter Begleitung derstädtischen Behörden und unter dem vermischten Geschrei der ganzen Menge,als wenn er Christus wäre, vor den Nichterstuhl gebracht wurde, einglänzendes Zeugniß ab. Wie ihn der Statthalter fragte, wer der Gottder Christen sey, entgegnete der Bischof: Du wirst ihn erkennen,w enn du dich dessen würdig zeigst. Auf dieß wurde er auf dasSchonungsloseste mißhandelt und bekam viele Wunden. Ohne alle Ach-tung vor seinem Alter ließen die ihm Nächsten mit Fanstschlägen undFußtritten auf alle Art und Weise ihre Rvhhciteu an ihm aus, vonden Entfernten aber warf jeder ans ihn, was er nächst bei Händen hatteund alle glaubten , in der Meinung, daß sie auf diese Weise ihre Götterrächten, eine große Sünde und ein Verbrechen zu begehen, wenn einer inrücksichtsloser Wuth gegen ihn zurückbliebe. Kaum noch athmend, wurdePothinus endlich in das Gefängniß geworfen und gab nach zwei Tagenseinen Geist auf. Hier nun erwies sich die große Waltung Gottes und diegrenzenlose ErbarmungJesu, (2) so wie sie sich wohl selten in der Gemeinde

(1) Dieg war eine Art von Tortur. An jeder Seite des Klotzes waren fünf Löcherin einer Linie, wodurch die Grade der Ausdehnung der Beine und zugleich die Grade derTortur bestimmt wurden. Das fünfte Loch war der äußerste Grad, wodurch die Füße schonüber drei Ellen auscinandcrgespannt seyn mußten. Rufsinus sagt gar, sie wären bis zumsiebenten Loch ausgespannt gewesen, es ist indessen gut, daß er hinzusetzt, es sey unglaub-lich. Stroth.

(2) Der Verfasser des Schreibens nennt das Barmherzigkeit Jesu, daß den Verlcug-ncrn ihre Verleugnung nichts geholfen hat und also die Gemeinde von der Furcht und ein-zelne Mitglieder von der Gefahr befreit worden, daß »och mehrere verleugneten, oder setzt