Druckschrift 
Kirchengeschichte
Entstehung
Seite
149
Einzelbild herunterladen
 

AureliuS. Jahr Christus 178. Eleutherus. 140Nachdem sie sodann noch Einiges als Vorbericht vorangeschickt, machen sieden Anfang der eigentlichen Erzählung folgendermaßen:Die Größe derhiesigen Bedrängnisse und die heftige Wnth der Heiden gegen uns undwas die seligen Märtyrer erduldet haben, genau darzustellen, sind wireben so wenig im Stande, als sie überhaupt zu beschreiben möglich ist.Denn der Widersacher stürmte mit aller Gewalt auf uns ein und gab dadurchschon ein Vorspiel seiner einst mit zügelloser Wnth hereinbrechenden Zu-kunft. Er ließ nichts unversucht, machte die Seinigen geübt und stelltemit ihnen allerlei Vorübungen an gegen die Knechte des Herrn, so daßuns nicht bloß Häuser, Bäder und öffentliche Plätze unzugänglich waren,sondern daß wir unS, mochte eS seyn, wo eS wollte, nicht einmal vorihnen blicken lassen durften. Aber die Gnade des Herrn kämpfte für unsgegen sie und rettete die Schwachen; sie stellte dem Widersacher feste Sän-ken entgegen, welche durch ihre Standhaftigkeit den ganzen Anfall desBösen auf sich abzulenken vermochten. Sie traten ihm unter die Augen,jegliche Art von Schimpf und Strafe ertragend, und eilten, Alles geringachtend, zu Christo, indem sie dadurch in der That bewiesen, daß dieLeiden dieser Welt gegen die Herrlichkeit, welche an uns einst offenbarwerden soll, keine Beachtung verdienen. (1) Und zuerst hielten sie Alles,was ihnen von dem versammelten Volke haufenweise zugefügt wurde, mitmännlichem Muthe aus Geschrei, Schläge, Hin- und Herreißen,Plünderung, Steinwürfe, Einsperrung, knrz Alles, waS eine aufgebrachteMenge gegen Feinde und Gegner so gern sich erlaubt. Sodann wurdensie von den Tribunen und den Behörden der Stadt auf den Marktplatzgeführt, in Gegenwart der ganzen Menge verhört und als sie bekannten,bis zur Ankunft des Statthalters in das Gefängniß geworfen. Wie siesodann später vor diesen gebracht wurden, erlaubte sich derselbe jeglicheArt von Nohheit gegen uns. Einer von den Brüdern war Vettius Epa-gathus, der, von überschwänglicher Liebe zu Gott und seinem Nächsten er-füllt, einen so strengen Lebenswandel führte, daß er, wiewohl er nochjung war, ein nicht minder rühmliches Zengniß, als der alte Zacharias,halte. Denn er wandelte untadelhaft in allen Geboten und Rechten desHerrn (2) und war unverdrossen zu jeglicher Dienstleistung des Nächsten,dabei voll Eifers für Gott und brannte im Geiste. Dieser konnte beieinem solchen Charakter ein so ungerechtes gerichtliches Verfahren gegenuns nicht ertragen, sondern wurde vom Unwillen übermannt und verlangtemit seiner Vertheidignng für die Brüder, daß nichts Gottesleugnerischesund Gottloses bei uns zu finden sey, auch gehört zu werden. Da erhobendie um den Nichterstuhl Herumstehenden ein Geschrei wider ihn (denn erwar ein angesehener Mann). Der Statthalter aber nahm keine Rücksichtauf die von ihm vorgetragene gerechte Bitte, sondern fragte ihn nur, ob

(1) Römcrbr. 8, 13.

(2) Luk. 1, 6.