148 Anrelius. Jahr ChriscnS 173. Eleutherus.verschiedenen Theilen der Erde die Verfolgung wider uns durch die Angriffedes Volks in den Städten heftiger entbrannte. Unzählige haben darin inder ganzen Welt als Märtyrer geglänzt, wie man aus der Zahl derer, diees bei einem einzigen Volke geworden sind, schließen kann. Ihr Schicksalist, als in der That eines unvergeßlichen Andenkens werth, der Nachweltschriftlich überliefert worden. Den ganzen Aufsatz, welcher eine sehr um-fassende Darstellung desselben enthält und nicht bloß geschichtlichen, sondernauch unterrichtenden Inhalts ist, habe ich meiner Sammlung der Märty-rergsschichten einverleibt. Was jedoch für unfern Zweck passend ist, willich für jetzt derselben entnehmen und hieher setzen. Andere Gcschichtschrei-ber würden nur Siege, in Kriegen erfochten, Siegeszeichen, über die Feindedavon getragen,' der Feldherrn ausgezeichnete Thaten und der Krieger Ta-pferkeit, welche steh für Kinder, Vaterland und die andern Besitzthümer mitBlut und unzählbaren Mordthaten besteckten, zum Gegenstand ihrer Dar-stellung gemacht haben; allein unsere Geschichte des Staates Gottes soll diehöchst friedlichen Kämpfe für den Frieden der Seele, so wie diejenigen, welchein denselben mehr für die Wahrheit, als für das Vaterland, mehr für die 'Religion, als für ihre nächsten Angehörigen wacker steh gehalten haben,auf unvergängliche Säulen eingraben und die Standhaftigkeit der Kämpferfür die Religion, ihren viel erduldenden Muth, ihre im Kampfe mit denbösen Geistern gewonnenen Siegeszeichen, ihre Siege über die unsichtbarenFeinde und endlich ihre SiegeSkronen zu ewigem Andenken verkünden.
Erstes Haupt stück.
Wie viele unter der Regierung des Berus in Gallien den Kampf für die Religio»gekämpft und auf welche Art.
Gallien war das Land, in welchem der Kampfplatz für die erwähntenBegebenheiten eröffnet wurde. Berühmte uni> vor den andern dorti-gen Städten ausgezeichnete Hauptstädte sind daselst Lugdunum (1) undVienna,(2) beide durchflössen vom Rhodanus, (3) welcher das ganzeLand mit gewaltiger Strömung umfängt. Die dortigen sehr berühmtenGemeinden haben den Gemeinden in Asien und Phrygien eine schriftlicheErzählung von den Märtyrern zugeschickt, worin sie das bei ihnen Vorge-fallene berichten, und welche ich mit ihren eigenen Worten hersetzen will, (ff)„Die Knechte Christi in den Gemeinden zu Vienna und Lngdunum in Gal«zzlien wünschen den Brüdern in Asien und Phrygien, welche mit uns den-„setben Elanben und dieselbe Hoffnung der Erlösung haben, Frieden und„Gnade und Ehre von Gott dem Vater und unserm Herrn Jesu Christo."
(1) Das heutige Lyon.
(2) Das heutige Viennc.
(3) Die Rhone.
(4) Man hält gewöhnlich den Irenaus für den Verfasser dieses Schreibens.