M. Aurelius ». L. Berns. I. Ch. 168. Anieetus. 188„Nachricht erhielt, daß er es noch ärger niachte, so schickte sie ihm, um nicht,„wenn sie länger in der Ehe mit ihm blieb und Tisch und Bett mit ihm„theitte, sich seiner Ungerechtigkeiten und Gottlosigkeiten mitschuldig zu„machen, den Scheidebrief zu und trennte sich von ihm. Ihr feiner braver„Mann aber, statt sich, wie es sich gehört hätte, zu freuen, daß sie ihrem„frühern Lebenswandel, wo sie mit den Bedienten und Taglöhnern der Aus-schweifung sich ergeben und den Trunk und jegliches Laster geliebt hatte,„entsagt habe und ihn selbst davon abzubringen suche, stellte, da sie sich bei„seiner fortgesetzten Weigerung von ihm getrennt hatte, eine Klage an, daß„sie eine Christin seh. Sie gab hierauf, o Kaiser, eintzBittschrift an dich„ein, es möchte ihr gestattet werden, vorher ihre häuslichen Angelegenheiten„in Ordnung zu bringen, und dann erst, wenn dieß geschehen seh, sich gegen„die Anklage verantworten zu dürfen. Dieß hast du ihr zugestanden.„Da nun ihr ehemaliger Mann für dießmal nichts gegen sie vorbringen„konnte, so machte er auf folgende Art sich an einen gewissen Ptolemäus,„der von Urbicius (1) schon vieles ausgestanden hatte und der ihr Lehrer„in der christlichen Religion gewesen war. Er beredete einen Hauptmann,„der sein Freund war, dazu, den Ptolemäus in Fesseln zu legen, ihn vor«„zunehmen und nur die einzige Frage an ihn zu stellen: Ob er ein Christ„sey. Ptolemäus, als ein wahrheitliebender und jeglichem Trug und aller„Unwahrheit abholder Mann, bejahte diese Frage. Auf dieß ließ ihn der Haupt-Mann in Fesseln werfen und hielt ihn lange Zeit hart im Gefängnisse. Als er«zuletzt vor Urbicius geführt wurde, fragte man ihn wiederum nur, ob er„ein Christ sey? Jener, sich des Guten bewußt, das durch die Lehre Christi„ihm zu Theil geworden, bekannte wiederum, daß er in der göttlichen Tugend„unterrichtet sey. Denn wer leugnet, daß er ein Christ sey, der thut es„entweder deswegen, weil er die christliche Religion verwirft oder er scheut„dieß Geständniß, weil er sich selbst derselben für unwürdig und für der-selben nicht angehörig hält. Keines von beiden ist bei einem wahren„Christen der Fall. Als Urbicius den Befehl gab, ihn zur Bestrafung ab-zuführen, sagte ein gewisser Lucius, ebenfalls ein Christ, wie er sah, daß„ein so ungerechtes Urtheil gefällt wurde, zu Urbicius: Warum lässest du„denn diesen Menschen, der weder ein Ehebrecher, noch ein Hurer, noch ein„Mörder, noch ein Dieb oder ein Räuber, noch überhaupt eines begangenen„Verbrechens überwiesen ist, bloß weil er bekannt hat, daß er den Namen„eines Christen führe, zur Strafe ziehen? Das Urtheil, das du gefällt,„Urbicius, macht weder dem frommen Kaiser, noch dem Philosophen, des Kai-sers Sohn, (2) noch dem geheiligten Senate Ehre. Urbicius antwortete„darauf nichts, sondern sagte nur zu Lucius: auch du scheinst mir eiu„Christ zu seyn. Da Lucius erwiderte: So ist es! so befahl er, auch
(1) Er wird sonst Ilrbius genannt, hier aber immer Urbicius.
(2) Darunter ist der nachherige Kaiser Markus Aurelius, der Philosoph, verstanden,welchen Antonin der Fromme auch auf Befehl Hadrians an Sohncöstatt angenommen hatte.