M. AureliuS u. L. Berus. I. Ch. t68. Am'cetu«. Z27»so bestimme mir eine Stunde und höre mich an. Der Prokonsnl entgeg-nete : Beruhige nur das Volk (1). Da sprach Polykarp»« : Dir Rede zu„stehen, habe ich für meine Pflicht gehalten. Denn wir sind angewiesen,„den Gewalten und Obrigkeiten, welche von Gott eingesetzt sind, die„gebührende Ehre, so weit sie uns nicht zum Nachtheil gereicht, zu erweisen.„Diese da aber halte ich nicht für werth, mich ihnen gegenüber zu rechtferti-gen. Auf dieß sagte der Prokonsul: Ich habe wilde Thiers. Diesen„werde ich dich vorwerfen, wenn du nicht deine Meinung änderst. Laß sie„kommen, entgegnetePolykarpuS. Denn eine Meinungsveränderuug, welche„das Gute mit dem Schlechten vertauscht, findet bei uns nicht statt. Schön„'ist eS hingegen, wenn man sich vom Schlechten zum Guten wendet. Da„versetzte der Prokonsul: So werde ich denn durch Feuer dich dazu zwingen,„wenn du der wilden Thiers nicht achtest und deine Meinung nicht änderst.„Polykarpus entgegnete: Du drohst mir mit einem Feuer, das nur kurze„Zeit brennt und bald wieder verlöscht. Freilich, du weißt nichts von dem„Feuer des zukünftigen Gerichts und der ewigen Strafe, das für die Gott-losen bereitet ist. Aber warum zögerst du? Laß kommen, was du willst!„Während er dieses und noch mehreres andere sprach, war er voll Zuver-sicht und Freude Ueber sein ganzes Antlitz war Heiterkeit verbreitet.„Denn durch die an ihn gerichteten Worte hatte er sich so wenig in Schrek-„ken setzen und den Muth sinken lassen, daß vielmehr der Konsul in Er-„staunen gerieth, den Herold hinschickte und dreimal mitten im Stadium„ausrufen ließ: PolykarpuS hat selbst bekannt, daß er ein Christ ist.„Kaum hatte der Herold diese Worte gesprochen, als die ganze Menge,„Heiden sowohl als Juden, welche in Smyrna wohnten, mit unaufhalt-„samer Wuth und lauter Stimme ausriefen: Dieß ist der Lehrer Asiens,„der Vater der Christen, der Feind unserer Götter, derjenige, der so viele„lehrt nicht zu opfern und die Götter nicht anzubeten. Und indem sie diese«„sagten, erhoben sie ein Geschrei und baten den Astarchen (2) Philippus,„einen Löwen auf Polykarpus loszulassen. Allein dieser entgegnete, eS sey„ihm dieß nicht gestattet, weil die Zeit der Schauspiele mit den wilden Thie-ßen vorüber wäre. Da kam es ihnen ein, einhellig zu schreien, man solle„den PolykarpuS lebendig verbrennen. Denn die Erscheinung mußte in„Erfüllung gehen, die er an seinem Kopfkissen gehabt hatte, damals, als„er dieses, während er mit Beten sich beschäftigte, brennen sah und zu den„Gläubigen bei ihm sich wendend, in prophetischem Geiste sagte: ich muß„lebendig verbrannt werden. Dieß geschah mit solcher Geschwindigkeit, daß
(t) Aus diesem Umstände kann man beinahe die Vcnnuthung ziehen, daß auch hier,wie so oft bei Verfolgungen und Hinrichtungen der Christen, der Statthalter weniger frei-willig, als durch die stürmischen Forderungen des wüthcndcn und aufgebrachten heidnischenPöbels gezwungen, handelte.
I.2i So hieß die von den Römern eingesetzte höchstpricstcrliche Person in der ProvinzAsia. Die Würde eines Asiarchen war jährlich und nach Wahl, sehr angesehen, aber nursehr reiche Männer konnten sie bekleiden, da die Asiarchen auf ihre Kosten die heiligenSpiele veranstalten mußten.