126 M. Aurelius n. L. Berns. I Ch. 168. Anicetus.„Nicetes. Diese nahmen ihn in ihren Wagen, ließen ihn neben sich„Platz nehmen nnd suchten ihn zu überreden. Was ist eS doch, sprachen„sie, Böses, zu sagen: Der Kaiser unser Herr, und zu opfern (1) nnd damit„das Leben sich zu retten? Polykarpns antwortete anfänglich gar nichts.„Erst, als sie fortfuhren, in ihn zu dringen, entgegnete er: Ich werde nicht„thnn, wozu ihr mir rathet. Als sie nun ihre Bemühungen, ihn zu über-reden, vergeblich sahen, stießen sie arge Schimpfreden gegen ihn ans und„warfen ihn mit aller Heftigkeit aus dem Wagen, so daß er sich beim Her-„absteigen das Schienbein verletzte. Allein Polykarpns ging ohne darauf„zu achten, als wenn ihm nichts widerfahren wäre, getrosten Muthes und„rüstig dem Kampfplatze zu, wohin man ihn führte. Als er himstntrat in„denselben, ließ sich eine Stimme vom Himmel herab vernehmen, welche„rief: Sep stark, Polykarpns und mannhaft! allein der Lärm auf dem„Kampfplatze war so groß, daß nur wenige dieselbige hörten. Den, der die„Worte gesprochen hatte, sah Niemand, die Stimme jedoch hörten viele von„den Unsrigen. Wie nun Polykarpns hingeführt wurde, entstand ein ge-waltiges Getümmel, weil man hörte, daß Polykarpns gegriffen sey. Er„trat sodann vor den Prokonsnl nnd dieser fragte ihn: ob er Polykarpns„wäre. Ans die bejahende Antwort suchte ihn der Prokonsul zur Verleug-nung Christi zu bewegen und sagte: Bedenke doch dein hohes Alter! nebst„mehreren: anderem, dergleichen sie zu jagen pflegen, z. B.: Schwöre bei dem„Glücke des Kaisers! Aendre deine Meinung! Sprich: Räume die GotteS-„längner hinweg! (2) Da sah Polykarpns mit einem ernsten Blick auf das„ganze Volk im Stadium hin, machte mit der Hand eine Bewegung gegen„dasselbe, seufzte und rief, den Blick gen Himmel gerichtet, auö: Räume„die Gottesleugner hinweg! Wie aber der Prokousul weiter in ihn drang„nnd sprach : Schwöre, so will ich dich frei geben, fluche Christo, so entgegnete„Polykarpns: Sechsundachtzig Jahre (Z) bin ich in seinem Dienste nnd er„hat mir Nichts zu Leide gethan. Und wie könnte ich ihm fluchen, meinem„Könige, der mich selig gemacht hat? Und als der Konsul fortfuhr in ihn„zu dringen und sagte: Schwöre bei dem Glücke des Kaisers! erwiederte er:„Wenn du die eitle Ehre haben willst, daß ich bei dem Glücke des Kaisers,„wie du es nennst, schwöre und dich stellst, als ob du nicht wüßtest, wer ich„bin, so höre denn mein frcimüthiges Geständnis;: Ich bin ein Christ.„Willst du aber die Beschaffenheit der christlichen Religion kennen lernen,
(11 Wie die Christen gegen eine solche Zumuthung gesinnt waren — sagt Neander —sieht man aus den Worten Tertullians Apologet, o. 24. „Der Name Herr ist aucheiner der Namen Gottes. Wohl will ich den Kaiser Herr nennen, aber wenn ich nichtgezwungen werde, ihn in dem Sinne, wie Gott — Herr zu nennen. Sonst bin ichfrei von ihm. Ich habe nur Einen Herrn, den allmächtigen und ewigen Gott, welcherauch des Kaisers Herr ist."
(2) Diese Zahl kann nicht, wie Mehrere angenommen haben, auf das Alter des Poly-karpus, sondern nur auf die Zeit seit seiner Annahme des Christenthums bezogen werden.
Die Heiden hielten die Christen aus dem Grunde für Gottesleugner, weil sie denPolytheismus verwarfen, Verachtung und Abscheu gegen die öffentliche Religion äu-crtenund einen geistigen Kultus ohne Tempel, Altäre und Opfer halten.