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Kirchengeschichte
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124
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124 M. Aurellus u. L. VeruS. I. Ch. 163. Llnicetufl.und Liebe Gottes, des Vaters und unseres Herrn Jesu Christi in vollemMaaße. Wir schreiben euch, geliebte Brüder, was sich mit den Märty-rern und besonders mit dem seligen Pvlykarpus, welcher durch seinenMärtyrertod die Verfolgung gleichsam besiegelt und gestillt, zugetragenhat." Anschließend an diese Worte, vor der Erzählung von Pvlykarpus,melden sie die Schicksale der übrigen Märtyrer und berichten, welcheStandhaftigkeit diese den Schmerzen entgegengesetzt haben.Die Herum-stehenden, erzählen sie, geriethen alle in Erstaunen, als sie sahen, wie sietheils mit Geißeln sogar bis auf die Schlag- und Blutadern sich zerfleischenließen, so daß man ihre Eingeweide und die innersten Theile sehen konnte,theils auf Meerschnecken und spitzige Pfähle gelegt und auf alle Weisegequält und gemartert wurden bis man sie zuletzt den wilden Thieren»zum Fressen vorwarf. Vornehmlich zeichnete sich der treffliche Germanikusauö, welcher durch die Gnade Gottes die der Sinnlichkeit eingepflanztenSchauer des Todes überwand. Wie nämlich diesen der Prokonsul ansandere Gesinnung zu bringen suchte, ihm seine Jugend vorstellte und ihndringend bat, doch mit sich selbst Mitleiden zu haben, da er noch sehr jungund in der Blüthe seiner Jahre sey, besann er sich nicht lange, sondernzog muthig die Bestie an sich, ja zwang und reizte sie fast, um destoschneller aus der gottlosen und schlechten Gesellschaft dieser Menschen zukommen. Nach seinem glorreichenTode bewunderte die ganzeMenge den gott-seligen Märtyrer wegen seines hohen MutheS und überhaupt die Stand-haftigkeit aller Christen. Da erhob sich plötzlich daS Geschrei: Weg mitden Gottesleugnern! (1) Man suche den Pvlykarpus auf! Wie auf diesesGeschrei ein gewaltiger Tumult entstand, so bemächtigte sich eines ge-wissen Quintus aus Phrygien,(2) der erst vor Kurzem aus diesem Landegekommen war, bei dem Anblicke der wilden Thiere und der übrigen ihmdrohenden Martern Furcht, er ließ den Muth sinken und gab sein Heilauf." Der vorerwähnte Brief erzählt, daß derselbe auf das Unbesonnensteund voltig bedachtlos nebst andern zum Gericht hingeeilt sey. Da er nunsogleich ergriffen wurde, so gab er jedermänuiglich ein sprechendes Beispiel,daß man so etwas nicht tollkühn und bedachtlos wagen müsse. (Z) So ver-hielt es sich mit diesen.Der bewunderungswürdige Pvlykarpus hingegen,als er dieses horte, blieb anfänglich unerschrocken, behauptete einen ruht-gen, festen Muth und wollte daselbst in der Stadt bleiben. Doch ließ ersich durch das dringende Bitten seiner Freunde, unter der Hand sich aus

ll) Ein damaliges Losungswort, das man auch von den Christen zu sagen verlangte,als ein Zeichen, daß sie den christlichen Glauben verleugneten. Die Christen und Heidennannten sich wechselseitig Gottesleugner, Atheisten, jeder Theil seinen Grünt sahen und seinemLchrbegriff gemäß. Daher kommt bald unten die Zweideutigkeit in den Ausdruck. desPvlykarpus. Stroth.

(2) Die Einwohner dieses Landes waren von Natur zu schwärmerischen Ucbcrspan-nungen besonders geneigt.

(3) Hier solgt im Briefe der Satz:Wir billigen diejenigen nicht, welche sich selbstangeben; denn so lehrt das Evangelium nicht," allein Eusebius hat ihn absichtlich als eingroßer Bewunderer einer solchen Handlungsweise ausgelassen.