IAdriannS. Jahr Christus 1Z5. Telesphorus.sich, wenn man Götzenopf erfleisch esse und zu Zeiten der Verfolgung denGlauben unbedachtsam abschwöre. Seinen Zuhörern habe er nach demBeispiele des Pythagoras ein fünfjähriges Stillschweigen auferlegt. Nochführt der genannte Schriftsteller andere ähnliche Lehrmeinungen des Bafi-lides an und zieht den Jrrthum der erwähnten Sekte trefflich ans Licht.JrenäuS schreibt ferner: Ein Zeitgenosse von diesem sey KarpokrateS gewe-sen, der Vater einer andern Sekte, nämlich der sogenannte Gnoftiker. (1)Diese wollten bereits Simons magische Künste nicht mehr, wie dieser, heim-lich , sondern öffentlich vortragen. Sie rühmten sich ihrer mit ängstlicherSorgfalt zubereiteten Zanbertränke, gewisser träumesendender und schutz-vcrleihender Dämonen und anderer ähnlicher Sachen als großer Dinge.Diesem gemäß lehrten sie, daß diejenigen, welche in die innerste Tiefe ihrer
„Abraxas nannte, welches Wort nach der Zahlbcdcutung der griechischen Buchstaben die„IM 365 ausdrückt. Die Engel von der letzten oder untersten Klasse erbauten dann aus„der von Ewigkeit her vorhandenen Materie die Welt, jedoch nach dem Bilde, welches„ihnen der Aeon Weisheit vorgelegt hatte. Ferner bildeten sie den ersten Menschen und„zwar nach dem Bilde des himmlischen Menschen, welches sie ebenfalls von den Aeoncn„erhalten hatten. Sic gaben den Menschen nur eine sinnliche Seele; der höchste Gott that„aber noch eine vernünftige hinzu. Hierauf theilten sich die Weltschöpfer in die Herrschaft„der Welt, wobei der vornehmste unter ihnen die Regierung über das jüdische Volk bekam.„Dieser ist der Jchova oder der Gott der Juden, welcher sehr vieles Unheil anrichtete.„Um nun allem Elend, in welches die Menschen nach und nach gerathen waren, abzuhel-fen, sandte der höchste Gott den höchsten Aeon Pius oder Verstand, d. h. Christum, in„die Welt, der von einem Menschen nur die äußereBildung und Gestalt annahm, die er nach„Belieben verändern konnte. Seine Bestimmung war, die Menschen von der Gewalt des„Weltschöpftrs zu erlösen und zur Erkenntnis des höchsten Gottes zu führen. Darüber„aufgebracht, reizte der Judengott sein Volk, die Juden, auf, daß sie ihn zum Kreuzestode„vcrurthcilten, aber statt seiner wurde Simon von Eyrcnc, welchem er seine Gestalt gege-„ben hatte, gekreuzigt. Er selbst schwang sich in die höhcrn Regionen zu Gott aus, wohin„auch die Seelen aller Menschen, die seiner Lehre folgen, geführt werden. Die Seelen der„übrigen Menschen wandern in andere Körper und endlich gehe» alle Körper zu der Ma-„tcne, woraus sie entstanden sind, zurück."
(1> Rur der Wunsch, für jede Sekte einen Stifter namentlich anführen zu können,konnte den Karpokratcs zum Stammvater der gnostischen Sekte machen. Er war es ebenso wenig, als eine eigene von den Saturnianern, Valentinianern :c. verschiedene Partei,die Gnostikcr, geheißen hat. Denn nur die Begierde, die Kctzernamen zu vermehren, hataus der Gattung eine besondere Art gemacht. Uebrigens haben wir über das gnostischeSystem des Karpokrates nur unvollständige Rachrichten. Es läßt sich, sagt Berthold inseiner Dogmengeschichte, nur im Allgemeinen angeben, daß er auch von der Annahmezweier Grundwescn, des höchsten Gottes und der Materie, ausging, eine Reihe aus demguten Grundwescn emanirtcr Aconen statuirtc und die Welt durch Engel erschaffen wordenscyn ließ, welche Wcltschöpfcr die Erkenntnis und Verehrung des höchsten Gottes verhin-dert hätten. Christum hielt er, dem Aeußcrn nach, für einen wahren Menschen und einenleiblichen Sohn des Joseph; er legt ihm aber eine Seele bei, welche vor den übrigenMenschcnseelen große Vorzüge gehabt hätte, indem sie sich nicht nur in ihrer Präeristcnzvollkommen rein und unbefleckt erhalten hätte, sondern auch in ihrer körperlichen Umhüllungauf Erden dem höchsten Gott mit Verschmähung der Weltschöpfer unwandelbar treu ge-blieben wäre. Zur Belohnung dafür ward aber auch auf sie eine höhere Kraft, wahr-scheinlich einer der Aeonen, herabgelassen. In dieser Qualität hat denn Jesus auch denübrigen Menschen Anleitung gegeben, wie sie sich von der Verehrung der Wcltschöpfcr zudem wahren Gott erheben sollten. Ferner behauptet Karpokratcs, nur auf Glaube undLiebe komme es an, alles Acußerlichc sey ganz gleichgültig, wer in das Acußerliche einesittliche Bedeutung hineinlege, mache sich von demselben abhängig und bleibe der Herrschaftder Wcltgeister, von denen crüe religiöse, moralische und politische Ordnungen herrühren,unterworfen; er könne sich nach dem Tode nicht aus dem Kreisläufe der Mctcmpsychoseerheben. Wer aber allen Lüsten sich hingibt, ohne dadurch afsicirt zu werden und so denGesetzen jener Wcltgeister trotzt, der erhebt sich nach dem Tode zur Einheit mit dem Urei-n en, mit dem er hienicden schon verbunden, von allen Schranken sich frei gemacht hatte.