98 Trajanus. Jahr Christus 98. (108). Klemens.
vis auf die damalige Zeit eine reine, unbefleckte Jungfrau geblieben sey,indem, wenn es überhaupt solche gegeben habe, welche die reine Lehre derbeseeligenden Predigt verfälschen wollten, dieß bis dahin in dunkler Finster-nis; sich verborgen gehalten hätten. Nachdem aber der heilige Verein derApostel ein verschiedenes Lebensende genommen hatte und daS Menschen-alter, welches die göttliche Weisheit mit eigenen Ohren zu hören gewürdigtworden, ganz ausgestorben war, da nahm erst die Verschwörung des gott-vergessenen JrrthumS durch die Verführung der falschen Lehrer ihren An-fang. Diese unterfingen sich, weil kein Apostel mehr am Leben war, mitfreier Stirn die fälschlich sogenannte Erkenntnis; der Predigt der Wahrheitentgegen zu verkünden. So schreibt Hegesippus hievon; wir aber wollenfem zu dem weitern Verlans nnserer Geschichte fortgehen.(1)
Dreiunddreißigstes Hauptstück.
Wie Trajanus die Christen aufzusuchen verboten.
Damals wurde an mehreren Orten eine so heftige Verfolgung gegenuns verhängt, daß Plinus Secundus, einer der berühmtesten römischen Statt-Halter, (2) durch die Menge der Märtyrer sich bewogen fand, einen Bericht(Z)
(t) Dieser Satz fehlt in mehreren Handschriften, und ist wahrscheinlich von einemAbschreiber hinzugesetzt, der das unmittelbar Vorhergehende für Worte des Hegesippus hielt,was aber, wie aus 4, 22 erhellt, keineswegs der Fall ist.
(2) Er war Statthalter in der klcinasiatischcn Landschaft Bithynien und verfaßte seindie Christen betreffendes Schreiben im I. 104 oder nach anderer Meinung im I. ttl.
0?) I» Betracht, daß vielleicht manche Leser der euscbianischen Kirchengcschichtedie vollständige Mittheilung des noch vorhandenen Briefes des Plinius und der Antwortdes Trajanus auf denselben nicht uninteressant finden dürften, so wie daß Eusebius oderwer sonst den Tertullianus in der Apologie übersetzt hat, den Sinn des Originals verfehlt hat,folgt er hier nebst der Antwort des Kaisers Trajanus, in möglichst treuer Uebersetzungvon Augustii
Bericht des Plinius an den Kaiser Trajanus.
„Ich bin gewohnt, mein Gebieter, in allen zweifelhaften Fällen Bericht an dich zu„erstatten. Denn wer könnte meine Ungewißheit scunctatiuneui rvAere) besser leiten oder„meine Unkunde berichtigen, als Du? Den Untersuchungen gegen die Christen sco^nitinnidus„üo Cluisiiauis) habe ich niemals beigewohnt; daher weiß ich nicht, woraus und wie weit„sich die Strafe, oder die Untersuchung erstrecke. Auch bin ich nicht wenig darüber in„Ungewißheit: ob man einen Unterschied des Alters macht, und ob nicht die Schwächeren„etwa anders behandelt werden als die Stärkeren; ferner: ob man der Reue Verzeihung„angcdeihen lasse, oder ob es dem, der zwar ein Christ gewesen, aber es zu seyn ausgehört,„dieß nicht zu gut gerechnet werde; endlich: ob der bloße Name, auch wenn er von Vcr-„brechcn frei ist, oder die mit dem Namen zusammenhängenden Verbrechen bestraft werden?„Indeß beobachtete ich bei denjenigen, welche mir als Christen angegeben wurden, folgcn-„des Verfahren: Ich legte ihnen die Frage vor: Ob sie Christen wären? Wenn„sie dieß bekannten, so legte ich ihnen diese Frage zum zweiten und drittenmale vor, unter„Androhung von Lcbcnsstrafe. Wenn sie auch noch jetzt dabei bcharrtcn, so gab ich Be-„fehl, sie abzuführen. Denn ich trug kein Bedenken, daß, was sie auch bekennen möchten,„wenigstens ihr Eigensinn und ihre unbiegsamc Hartnäckigkeit bestraft werden müjje. Andere„von ähnlicher Thorheit ssimilw.uneutiw) habe ich, da sie römische Bürger waren, aufge-„zeichnet, um sie nach der Hauptstadt zu senden. Während der Untersuchung selbst, da„sich, wie zu geschehen pflegt, das Verbrechen weiter ausbreitete, kamen mehrere„Fälle (phwos spocieo) vor. Es wurde mir eine Klagschrift, deren Verfasser sich nicht„genannt hatte, vorgelegt; sie enthielt die Namen vieler, welche läugncten, daß sie ^Christen„wären oder gewesen wären. Sie riefen, wie ich es ihnen vorsagte, (prwounte mo) die„Götter an, und verehrten Dein Bild, welches ich zu diesem Behufc zugleich mit den