92 Trajmms. Jahr Christus 98. Klemens.
Jungfrau und dem heiligen Geiste zu leugnen, geben aber deuuvch auchnicht zu, daß er vorher existirt habe, daß er der Logos Gott und die per-sönliche Weisheit sey und hegten somit dieselbe falsche Ansicht, wie dieerstem, besonders da auch sie auf dieselbe Art, wie jene, den fleischlichenCeremouien des Gesetzes nachzukommen sich bestrebten. Sie behaupteten,mau müsse alle Briefe Pauli, den sie einen Abtrünnigen vom Gesetze nann-ten, verwerfen und bedienten sich bloß des sogenannten Evangeliums derHebräer, ohne den andern einen großen Werth beizulegen. Den Sabbathund die übrige jüdische Lebensweise (1) behielten sie, wie jene, bei, dochfeierten sie den Sonntag auf dieselbe Weise, wie wir, zur Erinnerung an dieAuferstehung Jesu. Ein solches Betragen war die Ursache, daß sie denBeinamen Ebinonäer erhielten, welcher die Dürftigkeit ihrer Erkenntnißanzeigt. So heißt nämlich ein Dürftiger auf hebräisch.
Achtundjwanzigstes Hauptstück.
Von dem Erzkctzer CerinthuS.
Um diese Zelt soll auch der Stifter einer andern Sekte, CerinthuS, auf-getreten seyn. Kajus, von welchem ich schon früher (2) eine Stelle angeführthabe, schreibt in seiner Disputation Folgendes von ihm: „Aber auch Cerin-„thus, der in Offenbarungen, (Z) als von einem großen Apostel geschrieben,„uns Wunderanschauungen vorfabelt, die ihm von Engeln gezeigt worden„seyen, lehrt, daß nach der Auferstehung ein irdisches Reich Christi anfäll-igen und daß die Menschen in dieser neuen Staatsverfassung zu Jerusalem„wiederum sich den Gelüsten und Vergnügungen überlassen werden und als„ein Feind der göttlichen Schriften behauptet er in verführerischer Absicht,„daß ein Zeitraum von 1000 Jahren in Hochzeitfreuden verfließen werde." (ä)
(t) Ihr Judaismus bestand hauptsächlich in diesen beiden Stucken, in der Beobach-tung des Sabbaths und in der Beschncidung, bei welcher letzter» sie sich jedoch aus dasBeispiel Christi beriefen, als der auch beschnitten worden. Ucberdem bedienten sie sich nocheiner täglichen Taufe. Stroth.
(2) Siehe oben 2, 25.
(3) Man hat hier den Ccrinth als den Verfasser der sogenannten Offenbarung Johan-nis finden wollen, allein siehe dagegen Hugs Einleitung zweiter Band, Seite 594 ff., woer unter Anderem sagt, unsere Stelle scheine sogar anzuzeigen, daß nicht die OffenbarungJohannis gemeint sey. Denn — fährt Hug fort — das tausendjährige Reich in finnlichenFreuden, welches er listigerweise aus Feindschaft gegen die heiligen Schriften erdacht hat,deutet auf einen Aufsatz, der als ein Gegenstück unserer Apokalypse entworfen war. Wenner nämlich ein sinnliches tausendjähriges Reich boshaft gegen die heiligen Schriften erdichtete,so kann diese Entgegensetzung nur die johannische Offenbarung treffen, welche allein eineZahl von 1000 Jahren den Abgeschiedenen zu ihrer Herrschaft mit Christus zugemegenhat, 20, 4. 5.
(4) Wenn wir von dem Systeme des CerinthuS nur diese Nachricht von Kajus hätten,so würde er uns als ein höchst fleischlich gesinnter Judenchrist erscheinen, allein Irenausmacht ihn zu einem Gnostiker, was aus dem in der Anmerkung aus seinem Systeme Mit-getheilten erhellt. Der schärfste Gegensatz — sagt Rcander in seiner Kirchcngcschichtc (ersterBand, zweite Abthcilung, Seite 672 ff.) — zwischen den Berichten über Cerinths Lehrenscheint darin zu liegen, wenn Irenaus ihn zu einem vollständigen Gnostiker machtund von der ander» Seite der Presbyter Kajus zu Rom, welcher am Ende des zweitenJahrhunderts schrieb, und der Bischof Dionysius von Alexandria nach der Mitte des dritten