Trajanus. Jahr Christus 98. Klemens. VI
eö könne sonst Niemand über die weltschöpferischen Engel Macht erhalten,er habe denn vorher die magische Schnle bei ihm durchgemacht und sey der Taufedurch ihn theilhaftig geworden. Wer dieser gewürdigt worden, der werdeschon in diesem Leben an einer beständigen Unsterblichkeit Theil nehmen undniemalen sterben, sondern hier bleiben und, ohne zu altern, fortleben.Diese Behauptungen kann man auch bei Irenaus (1) lesen. Auch JustinuSführt in der Stelle, wo er von Simon spricht, den Meuander also an:„Wir wissen, daß ein gewisser Meuander, der ebenfalls ein Samariter aus„dem Flecken Kaparatäa' war, ein Schüler des Simon gewesen ist, daß der-selbe auch, von den Dämonen getrieben, nach Antiochien gekommen ist und„viele durch seine magischen Künste verführt und auch seine Anhänger beredet„hat, daß sie nicht sterben würden. Und auch noch jetzt gibt es welche vonihnen, die dieses behaupten.« Dieß war doch ein rechter Kunstgriff desTeufels, daß er durch solche Betrüger, welche den Namen Christen sich bei-legten, das große Geheimniß der Gottseligkeit unter dem Namen der Magie zuverlästern und durch dieselben dre.kirchlichen Lehren von der Unsterblichkeit derSeele und von der Auferstehung der Todten lächerlich zu machen suchte. Jn-deß Leute, welche solche Heilande sich erwählt haben, gehen der wahrenHoffnung des Heils verlustig.
S'iebenundzwanzig stes H aupt stück.
Von der Ketzerei der Ebionäcr.
Da der böse Geist andern ihre Anhänglichkeit an Christus, den SohnGottes, nicht ganz zu entreißen vermochte, so machte er sie sich dadurch zueigen, daß er andere schwache Seiten bei ihnen auffand. Die Alten nann-ten diese mit einem eigenen Namen Ebionäer, weil sie geringe und armse-lige Vorstellungen von Christus hatten. (2) Sie hielten ihn nämlich füreinen bloßen, gewöhnlichen Menschen, der nur wegen seiner sittlichen Voll-kommenheit für gerecht erklärt worden, übrigens die Frucht des Umgangeseines Mannes mit der Maria sey. Ihrer Ansicht nach war die Beobachtungdes Gesetzes durchaus nothwendig, weil man nicht allein durch den bloßenGlauben an Christus und durch die Einrichtung des Lebenswandels nachseiner Lehre die Seligkeit erlangen könne. Andere gleiches Namens ver-mieoen zwar die aberwitzige Ungereimtheit, die Geburt des .Herrn von einer
(1) Was Eusebius vorher von ihm gesagt hatte, ist auch alles, was Irenaus vonihm sagt. Die Stelle steht 1,2!. wider die Ketzer. Stroth.
(2) Man hat noch andere Erklärungen des Namens Ebionäcr oder Ebionitc». Nach ihremeigenen Vorgeben stammten sie von denjenigen Christen ab, welche ihr ganzes Vermögen zu denFüßen der Apostel niedergelegt hätten und dadurch in Arinuth gerathen wären. Gicsclernimmt an, die ungläubigen Juden hätten ihnen diesen Namen aus Verachtung und zurBeschimpfung beigelegt. Lächerlich und nur aus dem den alten christlichen Lehrern eigen-tümlichen Bemühen, alle wirklichen oder vermeintlichen Sekten in der christlichen Kirche,wie z. B. die Rikolaiten, auf einen namentlichen Stifter zurückzuführen, entstanden ist dieschon bei Llertullian sich sindende Ableitung von einem gewissen Ebion.