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Kirchengeschichte
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90 Trujanus. Jahr Christus 93. Klemens,

wie ich scheu bemerkt habe, einige verwerfen, andere unter die allgemeinanerkannten Bücher setzen. Unter diese Klasse haben einige auch das Evan-gelium der Hebräer(l) gezählt, dessen sich diejenigen, die aus dem Juden-thum herübergetreten sind, vorzüglich bedienen. Diese alle mögen unterdie widersprochenen Schriften gerechnet werden. Indessen haben wir es dochfür nvthig erachtet, auch von diesen ein Verzeichniß zu geben und nach derkirchlichen Ueberliefernng mehrere echte und allgemein angenommene Schrif-ten von denen zu unterscheiden, die zwar nicht im Kanon mitbegriffen sind,sondern gegen welche Bedenktichkeiten vorwalten, welche aber dennoch vonden meisten Kirchenlehrern anerkannt sind, damit man sowohl diese, alsauch diejenigen kennen möge, welche unter dem Namen von Aposteln vonden Ketzern ans Licht gebracht worden sind. Von dieser letztern Art sinddie Evangelien des Petrus, des Thomas, des Matthias uud noch einigerandern, so wie die Thaten des Andreas, Johannes und der übrigen Apostel.Diese sind nie auch nur von Einem rechtgläubigen Kirchenlehrer von denältesten Zeiten an der Anführung in seinen Schriften gewürdigt worden.Es weicht darin nicht bloß die ganze Art der Darstellung von der apostoli-schen Schreibart ab, sondern auch die Gedanken und die in denselben aufge-stellten Grundsätze entfernen sich so sehr von der wahren Orthodoxie, daßsie sich deutlich genug als Ausgeburten ketzerischer Leute darstellen, wcßhalbman sie nicht einmal den unechten Schriften beizählen darf, sondern alsgottloses, aberwitziges Zeug durchaus verwerfen muß. Gehen wir nun zudem Verfolg unserer Geschichte über.

S'echsundzwanzigkes HaupL^ück.

Von dem Betrüger Mcnander.

Auf Simon den Magier folgte Menander, der sich in seinem Verhaltenals das zweite, nicht minder denn das erste, wirksame Werkzeug der teufli-schen Kraft bewies. Auch dieser war ein Samariter und hatte es in magi-schen Künsten, gleich seinem Lehrer, aufs Höchste gebracht, besaß aber einennoch reichlicheren Vorrath von abenteuerlichen Erdichtungen, als Simon.Er behauptet nämlich, er selbst sey der Erlöser, der zum Heile der Menschenaus dem unsichtbaren Aeonenreiche (2) herabgesandt worden sey und lehrte,

(1) Won diesem in hebräischer Sprache verfaßten, aber von Hieronymus in das Grie-chische und Lateinische übersetzten Evangelium der Hebräer (oder auch Evangelium der zwölfApostel) finden sich die meisten und sichersten Spuren imAltcrthum. Es war mit Matthäuswesentlich verwandt, jedoch durch Ausätze und Auslassungen entstellt und nach Hauptst. 27 vor-züglich bei den Ebioniten im Gebrauche. Eigentlich sollte es heißen das Evangelium pachden Hebräern (d. h. wie es sich unter den Hebräern gestaltet hat), ich habe es abernach der Analogie übersetzt, wie man sagt das Evangelium Matthäi?c.

(2) Die Aconen waren nach den Gnostikern geistige Naturen, welche die Gottheit inder Fülle aus ihren Wesen erzeugte, zwar noch vollkommen, aber minder vortrefflich als dieGottheit; von diesem strömten wieder andere, aber minder vollkommene Wesen aus, und sodachte» sie sich eine lange Emanationsrcihe von immer weniger vollkommeneren Geisternfort, von welchen sie einen oder auch mehrere als Schöpfer der Welt annahmen.