Trajanus. Jahr Christus 98. Klemens. 87
ten des Johannes anführen, deren Echtheit keinem Widerspruch unterliegt.Hier muß zuvörderst das nach ihm benannte Evangelium, welches allenGemeinden unter dem Himmel hinlänglich bekannt ist, einstimmig ange-nommen werden. Daß aber dasselbe mit gutem Grunde den vierten Platzhinter den drei andern von den Alten erhalten hat, mag ans dem Folgen-den erhellen. Die bewundernswürdigen und wahrhaft gottseligen Männer,ich meine die Apostel Christi, führten zwar ein vollkommen unbeflecktesLeben und ihre Seelen waren mit allen Tugenden ausgeschmückt, allein siehatten eine ungebildete Sprache. Vertrauend auf die von dem Heilandihnen verliehene göttliche, wunderthätige Kraft, konnten und wollten sienicht die Lehren ihres Meisters in ausgesuchten und gekünstelten Wortenvortragen, sondern allein der Belehrung des mit ihnen wirkenden göttlichenGeistes und der durch sie sich äußernden wunderthätigen Kraft Christi sichbedienend, machten sie die Kenntnis; des Himmelreichs dem ganzen Erdkreisbekannt, ohne sich viel um die Abfassung von Schriften zu bekümmern, ansdem Grunde, weil sie einen wichtigeren und Menschenkräfte übersteigendenBeruf hatten. Paulus wenigstens, der doch an Kraft des Ausdrucks undFülle der Gedanken alle andern übertraf, hat nur die wenigen Briefe schrift-lich verfaßt, wiewohl er tausend Geheimnisse hätte sagen können, da seineAnschauungen bis in den dritten Himmel reichten und er selbst bis in dasgöttliche Paradies entrückt und die geheimnißvvllen Worte daselbst zu hörengewürdigt wurde. Auch die übrigen Schüler unseres Herrn, nämlich die12 Apostel, die 70 Jünger und außer diesen noch unzählige andere warennicht ohne Kenntuiß von diesen Dingen. Dessen ungeachtet haben von allenJüngern des Herrn nur Matthäus und Johannes uns schriftlicheDenkmälerhinterlassen und auch diese haben, wie es heißt, nur gedrungen zum Schrei-ben sich entschlossen. Matthäus nämlich, der anfänglich unter den Hebräerndas Evangelium verkündet hat, verfaßte, als er daran war, auch zu an-dern zu gehen, sein Evangelium in seiner Muttersprache (1) und suchte durchdiesen schriftlichen Unterricht denjenigen, von welchen er schied, das, wasihnen durch seine Abwesenheit abging, zu ersetzen. Als sodann Markus undLukas ihre Evangelien herausgegeben hatten, so habe zuletzt auch Jo-hannes , der bisher immer nur mit mündlichem Unterrichte sich beschäftigt,aus folgender Ursache zum Schreiben sich entschlossen. Nachdem die er-wähnten drei Evangelien schon allen, mithin auch dem Johannes, zu Ge-sicht gekommen, so habe derselbe ihnen Beifall und das Zeugniß der Wahrheitgegeben; allein eine Darstellung der Thaten Jesu, welche er in den Anfängenseiner Predigt verrichtet, habe diesen Büchern noch gefehlt. Und dieß hatauch seine volle Richtigkeit. Denn es liegt offen vor Augen, daß dieandern drei Evangelisten nur das, was nach der gefänglichen Einziehung
(1) Eusebius führt weiter unten mehrere Schriftsteller an, welche behaupteten, Mat-thäus habe sein Evangelium ursprünglich hebräisch (d. h. in der palästinischen Landessprache)geschrieben, den Papias 3, 39., den Lrenäus 5, 8., den Pantänus 5, tl>. und den Ori-genes 6, 25.