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Kirchengeschichte
Entstehung
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86
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86 Trajauns. Jahr Christus 98. Klemens.

«seyn. Als aber dieser sagte:Den Jüngling fordere ich zurück und dieSeele des Bruders,« seufzte der Greis tief auf, vergoß Thränen dabei undsprach: Er ist gestorben.Wie und welchen Todes ist er gestorben,« fragtehierauf Johannes. Er ist dem Herrn gestorben, entgegnete der Bischof.Er ist ein schlechter, verdorbener Mensch geworden und, um es kurz zusagen, ein Räuber. Nun hat er statt der Kirche den Berg inne mit einergleichgesinnten Rotte.« Da zerriß der Apostel sein Gewand, schlug sichunter großem Wehklagen vor die Stirne und rief aus:Einen schönenWächter habe ich für meines Bruders Seele zurückgelassen! Wohlan,schafft mir ein Pferd und zeige mir einer den Weg!" Der Apostel rittalsbald so, wie er war, fort von der Gemeinde. Als er an den Aufent-haltsort der Räuber kam, wurde er von den Vorposten ergriffen, allein erversuchte weder Flucht, noch Bitten, sondern rief laut auö: Eben dcßhalbbin ich gekommen; führt mich zu eurem Hauptmann! Dieser, in Rüstungdastehend , l erwartete seine Ankunft, wie er aber in dem Nahenden denJohannes erkannte, ward er von Schaam ergriffen und entfloh. DerApostel aber, seines hohen Alters uneingedenk, eilte, so schnell er vermochte,ihm nach und rief:Was fliehst du vor mir, mein Kino, vor mir, deinemVater, dem Waffenlosen, dem Greis? Erbarme dich meiner, meinSohn. Fürchte dich nicht! Noch ist Hoffnung für dich übrig. Ich willChristo Rechenschaft ablegen für dich. Ich will, wenn es seyn muß, gernden Tod für dich erleiden, wie ihn der Herr für uns erlitten hat. Ichwill mein Leben für dich lassen. Halte, glaube, Christus hat mich abge-schickt!« Wie jeuer diese Worte vernahm, blieb er zuerst stehen und senkteden Blick zur Erde nieder, hierauf warf er die Waffen von sich, zuletztfing er an zu zittern und bitterlich zn weinen. Alsdann umarmte er denzu ihm kommenden Greis, bat unter den heftigsten Wehklagen um Ver-leihung und gab sich durch seine Tbränen die zweite Taufe; uur die rechteHand verbarg er. Der Apostel aber verbürgte sich für ihn, schwor ihm,daß er vom Heilande Vergebung für ihn erhalten habe, fiel vor ihm nie-der, bedeckte seine Rechte, als durch die Neue rein gewaschen, mit Küssenund führte ihn in die Gemeinde zurück. Hier flehte er für ihn in häufigemGebet, kämpfte mit ihm in anhaltendem Fasten, richtete sein Gcmüthdurch mancherlei rührende Worts wieder auf und ging, wie man sagt,nicht eher weg, als bis er ihn der Kirche wieder schenken konnte und eingroßes Beispiel wahrer Buße und ein deutliches Merkmal der Wieder-geburt, das Siegeszeichen einer sichtbaren Auferstehung, aufgestellt hatte."

Vierundzwanzigstes Hauptstück.

Von der Ordnung der Evangelien.

Diese Erzählung des Klemens habe ich um der Belehrung und desNutzens der Leser willen hier eingerückt. Jetzt wollen wir auch die Schrif-