Trajanus. Jahr Christus 98. Klemens. 85
„Stadt unweit Ephesus, von welcher einige auch den Namen augeben.(l.)„Nachdem er daselbst die Brüder beruhigt und getröstet hatte, gewählte„er einen kräftigen Jüngling von gefälligem Aeußern und feuriger Ge-„müthsart und sagte zu dem der Gemeinde vorstehenden Bischof, indem„er ihn ansah: Ich empfehle dir diesen alles Ernstes und rufe dabei„Christum und die Gemeinde zum Jeugen an. Als dieser ihn übernahm„und alles versprach, wiederholte Johannes dasselbe unter den nämlichen„Bezeugungen: auf dies; kehrte er nach Ephesus zurück. Der Bischof nahm„den ihm anempfohlenen Jüngling in sein Hans, erzog, beaufsichtigte,„pflegte ihn, und gab ihm zuletzt die Erleuchtung. 'Nach diesem lies;„derselbe von der großen Sorgfalt und Aufsicht etwas nach, weil er dem„Jünglinge ein vollkommenes Verwahrungsmittel anvertraut zu haben„glaubte, da er ihm das Siegel des Herrn (2) gegeben. Allein der Jüng-„ling, zu früh der Beaufsichtigung entlassen, gerieth zu seinem Unglück in„die Gesellschaft fauler, liederlicher und an das Böse gewöhnter Gesellen.„Diese zogen ihn zuerst durch kostbare Gastgelage an sich, sodann nahmen„sie ihn mit sich, wenn sie auf nächtliche Räubereien ausgingen; später„verlangten sie seine Theilnahme auch an größern Unternehmungen.„Der Jüngling gewöhnte allmählig sich daran. Er sprang vermöge seiner„feurigen Natur gleich einem wilden, kraftvollen Rosse, das in die Zügel„beißt, vom rechten Wege ab und stürzte sich mit um so größerer Heftigkeit„hinab in den Abgrund. Weil er an der Gnade Gottes ganz und gar ver-zweifelte, so waren seine Gedanken nicht mehr auf geringere Verbrechen„gerichtet, sondern er wollte, da er doch einmal verloren seyn sollte, noch„etwas Großes ausführen und mit seinen Genossen das gleiche Schicksal„theilen. Er nahm nun diese mit sich und errichtete eine Räuberbande,„deren Haupt er mit der größten Bereitwilligkeit wurde, alle andern au„Gewaltthat, Blutdurst und Grausamkeit übertreffend. Es verging einige„Zeit, als ein Geschäft den Johannes wiederum in jene Gemeinde rief. Als„er die übrigen Angelegenheiten, um deretwillen er gekommen, abgemacht„hatte, redete er den Bischof an: wohlan denn, Bischof, gib das Anver-traute uns wieder zurück, das ich und Christus dir vor der Gemeinde,„der du vorstehst, anvertraut haben! Dieser war zuerst betroffen, weiter„glaubte, man beschuldige ihn, Gelder empfangen zu haben, die er doch„nicht bekommen hatte. Er konnte eS nicht glauben, daß er Geld empfangen„haben sollte, das er nicht hatte, noch konnte er gegen Johannes mißtrauisch ' ^
(t) Der Verfasser der alcxändrimschen Chronik nennt Smyrna. Man glaubt, daßKlemens den Namen der Stadt deswegen nicht genannt, um den Bischof Polykarpuswelcher der hier in Rede stehende Jüngling gewesen seyn soll, keinen Flecken anzuhängen.
(2) Augusti (Denkwürdigkeiten der christl. Archäol. B. 7. S. t7.) bemerkt in Be-treff unserer Stelle, daß die Ausdrücke „er gab ihm die Erleuchtung" und „gab ihmdas Siege! des Herrn" zwei verschiedene Akte, Kauft und Konfirmation, bezeichnen,aber hält es nicht für nothwcndig, beides zu trennen. Die Kaufe heiße häusig Erleuch-rung und dieselbe Handlung könne auch Siegel heißen, in wiefern der Käusling fürein Eigcnthum des Herrn erklärt werde.