78 Vespastanus. Jahr Christus 70. Linus.
L eh n?e s Haupt st n ck.
Wic Josephus der göttlichen Bücher gedenkt.
»Bei unv gibt es keine taufende von unznsammenstimmenden, sich„einander widersprechenden Schriften, sondern wir haben nur 22 Bücher, (1)»welche die Geschichte der ganzen Zeit in sich begreifen und mit Recht für„göttlich gehalten werden. Fünf von diesen rühren von Moses her und„fassen die Gesetzgebung und die erste Geschichte der Menschen bis zum Tode»MosiS in sich, also einen Zeitraum von etwas weniger als dreitausend„Jahren. Von dem Tode des letztern an bis ans den des Artaxerxes, des»Nachfolgers des Zie'rxes auf dem persischen Thron, haben die Propheten»nach Moses die Geschichte ihrer Zeit in !Z Büchern aufgezeichnet. Die»übrigen vier enthalten Lobgesänge auf Gott und Verhaltungsvorschriften„für das menschliche Leben. Seit Zlrtaxerxes bis auf unsere Zeit ist zwar„auch alles aufgezeichnet worden, allein diese Schriften besitzen nicht dieselbe„Glaubwürdigkeit, wie di>. frühern, weil seit dieser Zeil keine ordentliche„Prophctenfolge stattgefunden. Wie viel wir aber ans unsere Bücher hal-„ten, dafür spricht die That selbst. Ungeachtet nämlich bereits ein so langer»Zeitraum verflossen ist, so hat doch bis jetzt Niemand weder einen Znsatz,„noch eine Auslassung, yoch eine Veränderung mit denselben sich erlaubt,„sondern es ist jedem Juden gleichsam angeboren, den Inhalt dieser Schrif-»teu für GotteS Wort zu halten, dabei standhaft zu beharren und im Falle„der'Noth freudig das Leben dafür hinzugeben." Diese Bemerkungen desJosephus dürften hier ihre passende Stelle gefunden haben. DerselbeSchriftsteller hat überdieß eine treffliche Abhandlung über die Herr-sch aft der V e r n n n st verfaßt, welche einige das Makkabäerbuchoetiteln, weil es die Kämpfe der in den sogenannten Makkabäerbüchern fürihren Glauben so heldeumüthig ausharrenden Hebräer zum Gegenstandhat. Noch bemerkt Josephus am Ende des 2vsten Buchs seiner Alterthü-mer, daß er gesonnen sey, die Lehre von Gott, seinem Wesen, von derGesetzgebung und den Gründen der in derselben enthaltenen Verbote undErlaubnisse nach den althergebrachten Begriffen der Inden in vier Büchernabzuhandeln, so wie er auch noch von andern von ihm verfaßten Schriftenin seinen Werken spricht. Zur Beglaubigung der in dieser Geschichte ausJosephus entlehnten Zeugnisse dürfte eS nicht undienlich seyn, seine am
(t) Josephus zählt — sind Eichhorns Worte in seiner Einleitung in das alte Testa-ment — mit seiner Nation nach der Angabe des hebräischen Alphabets. Denn das! mandabei auf die Konsonantcnzahl im hebräischen Alphabet Rücksicht genommen habe, sagenOrigencs und andere Kirchenväter ausdrücklich. Folglich genau gerechnet hatten die Judennicht gerade nur so viele, nicht gerade nur 22 üchcr; man konnte vloß die vorhandenenungefähr so ordnen, daß sie sich auf 22 rcducircn ließen. Eichhorn und mit ihm De Werteordnet die 13 prophetischen Lücher so: 1) Josua, 2) Richter und Ruth, 3! zwei BücherSamuels, 4) zwei Bücher der Könige, 5) zwei Bücher der Ehronik, 6) Esras und Re-hcmias, 7) Esther, 8i Jesaias, 3) Jeremias Weissagung und Elegie, i(>> Ezechiel,1!) Daniel, 12) zwölf kleine Propheten, 13) Hiob. Oedcr wollte fälschlich die BücherEsther, Chronik, Esra und Neheim« ausgeschlossen wissen. Die vier Bücher moralischenInhalts sind: 1) Psalmen, 2) Sprüchwörtcr, 3) Prediger, 4) Hohes Lied.