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Kirchengeschichte
Entstehung
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Lespastanus. Jahr Christus 70. Linus. 71

Noth si- dazu getrieben hätte nur um ihre Wuth zu stählen undsich Lebensmittel auf die folgenden Tage zu verschaffen, thaten sie dieß.Schlich Jemand bei Nacht hinaus bis an die römischen Posten, um Feldge-wächse und Kräuter sich zu sammeln, so gingen sie ihm entgegen, wenn er schonden Feinden entkommen zu seyn glaubte, und entrissen ihm alles Mitge-brachte, ohne sich durch anhaltendes Flehen oder durch Beschwörungen beidem allerheiligsten Namen Gottes, auch nur etwas Weniges von dem, waser mit Lebensgefahr geholt hatte, ihm zu geben, dazu bewegen zu lassen.'ja, man hatte noch von Gluck zu sagen, wenn man zu der Beraubung hinnur mit dem Leben davonkam." An einer andern später,, Stelle (1) fährtJosephus also fort:Den Juden wurde mit der Möglichkeit, ans der Stadtzu kommen, jegliche Aussicht auf Rettung abgeschnitten. Der Hunger, derimmer wilder wüthete, raffte das Volk Häuser- und familienweise hinweg.Die Dächer (2) lagen voll von verhungerten Weibern und Kindern , dieGassen von todten Greisen. Knaben und Jünglinge aber wankten aufge-dunsenen Gespenstern gleich auf den öffentlichen Plätzen umher und fielen,wo einen jeden der Todskamps ergriff. Verwandte zu beerdigen Vermoch-ben die Schwachen nicht und wer noch Kräfte besaß, scheute sich vor derMenge der Todten und der eigenen Gefahr. Denn viele starben nebendenen, welche sie beerdigen wollten, dahin, viele begaben sich noch vorherselbst zu den Gräbern, bevor ihre letzte Stunde sie überraschte. Kein Wei-sen, kein Klagen vernahm man bei diesem Jammer: der Hunger ersticktejeglichen Ausbruch des Gefühls. Mit trockenen Augen sahen die langsa-men Todes dahin Sterbenden hin auf diejenigen, welche vor ihnen zurRuhe eingegangen waren. Tiefe Stille herrschte in der Stadt einetodesschwangere Nacht. Aber schrecklicher noch, als dieser Jammer, warendie Räuber. Denn diese erbrachen die zu Grabstätten gewordenen Häuser,beraubten die Todten, rissen ihnen die Hülle vom Leibe und liefen mitLachen davon. Die Schärfe ihrer Schwerter versuchten sie an den Leich-namen und durchbohrten selbst einige vor denen, welche noch lebend hinge-gestreckt dalagen, zur Probe des Eisens. Diejenigen dagegen, welche sie,ihnen ihre Hand und ihr Schwert zu leihen, anflehten, überließen sie höhnenddem Hunger. Jeder von den Verscheidenden sah unverwandten Blicksnach dem Tempel hin, da er die Nottirer noch am Leben zurückließ. (5)'Diese ließen zwar anfänglich, weil ihnen der Geruch unerträglich war, dieTodten auf öffentliche Kosten beerdigen; später aber, als man nicht mehralle begraben konnte, warf man die Leichen über die Mauer in die Schluch-ten. Als Titus diese beim Herumgehen mit Leichnamen angefüllt und einetiefe Blutjauche unter den faulenden Körpern hervorfließen sah, seufzte er

(1) Sie befindet sich im zwölften Hauptstuck des fünften Buches.

(2) Diese sind nämlich im Orient platt.

(3) Nämlich Gott um Rache wider diese anzurufen. Es ist bekannt, daß die Judenbei ihre» Anrufungen Gottes, auch wenn sie außer Jerusalem waren, das Antlitz gegenden Kempe! richteten. Stroth.