79 Vespastanus. Jahr Christus 7tt. Linus.
„uuugen, durchsuchten diese und schlugen, wo sie etwas fanden, die Bewoh-»ner schrecklich, weil sie es verleugnet; wv dies; nicht der Fall war, so„peinigten sie dieselben, weil sie eö zu gut versteckt hätten. Zum Beweis»des Besitzes oder Nichtbesitzes von Lebensmitteln mußte das Aussehen der»Unglücklichen dienen. Wer noch bei Kräften war, bei dem schloß man»noch auf Borrath. An den bereits Abgezehrten aber ging man vorüber,»indem es nicht der Muhe werth schien, einen schon mit dem Hungertode»Ringenden zu tobten. Viele gaben heimlich ihr ganzes Vermögen hin»für Einen Scheffel Walzen, wenn sie Neichthnm besaßen, — Gerste, wenn„sie weniger bemittelt waren. Sodann verschlossen sie sich in die innersten„Winkel ihrer Wohnungen und verschlangen, von Heißhunger gelrieben,„den Waizen zum Theil noch nngemahlen, zum Theil machten sie Brod„daraus, so wie eS Roth oder Furcht gerathen finden ließen. Ein Tisch»ward nirgends mehr gedeckt, sondern sie rissen den Teig noch roh aus dem„Feuer und unter einander weg. Bedauernswerth war die Kost und thrä-„nenwerth der Anblick, wo die Stärkern ihre Kraft geltend machten und die„Schwächern nur jammern konnten. Der Hunger macht zwar alle Gemüths-»regungen verstummen, vor allem aber ertödtet er das Schamgefühl.„Denn alle Rücksichten, welche noch in andern Verhältnissen sich geltend«macheu, werden von seiner Macht niedergetreten. Weiber rissen ihren»Männern, Söhne ihren Vätern und — wie schrecklich! — sogar Mütter»ihren eigenen Kindern die Speisen selbst ans dem Munde und während„ihre geliebten Kleinen auf ihren Armen dahinwelkten, machten sie sich kein„Gewissen daraus, den letzten Tropfen Milch ihnen zu entziehen. Allein„selbst wenn sie so ihr Daseyn fristeten, konnten sie dennoch nicht unentdeckt»bleiben. Ueberall erschienen die Nottirer, um auch dieses wegzunehmen.„Sahen sie ein HauS verschlossen, so galt dieß ihnen für einen Beweis, daß„die Leute darin Speise zu sich nähmen. Sie sprengten dann alsbald die„Thürcn ein, drangen hinein und drückten und rissen ihnen die Stücke bei-»nahe aus dem Schlünde herauf. Greise, welche die Speise sich nicht ent-„reißen lassen wollten, wurden geschlagen; Weiber, welche d,.s, was sie in„ihren Händen hielten, zu verbergen suchten, wurden an den Haaren herum-»gezogen. Rieht das graue Haar, nicht das unmündige Alter fand Erbar-„men, sondern man hob die kleinen Kinder an den Bissen im Munde in»dee Hohe und schüttelte sie zu Boden. Wer ihnen aver bei ihrem Ein-bringen in seine Wohnung zuvorgekommen war und das, was ihm ent-rissen werden sollte, zuvor verschlungen hatte, den mißhandelten sie noch„ärger, gleich als hätte ihnen dieser etwas zu leide gcthan. Foltern schreck-licher Arr erfanden sie, um Lebensmittel auszuforschen. Sie verstopften„den Unglücklichen die Harnröhren mit Erbsen und stachen sie mit spitzigen„Stäben ui das Gesäß. Man schaudert, es nur zu hören, was einer zu„erdulden hatte, um die Entdeckung eines einzigen Brvdes oder einer ein-zigen Hand voll Gerstengraupe sich entreißen zu lassen. Dabei litten die»Quäler selbst keinen Mangel — es wäre weniger grausam erschienen, wenn