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Kirchengeschichte
Entstehung
Seite
69
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Vespasianns. Jahr Christus 70. Linus. t!9

vertilgte. Welche Unglücksfälle nun damals über das ganze Volk allwärtöhereingebrochen, wie namentlich die Einwohner von Judäa in den äußerstenJammer geriethen, wie viele Tausende von Menschen ohne Unterschied desAlters oder Geschlechts durch Schwert, Hunger und unzählige andere To-desarten weggerafft, wie viele Belagerungen jüdischer Städte und auf welcheArt und Weise sie vorgefallen sind, zudem wie viel Schreckliches und mehrals Schreckliches diejenigen, welche nach Jerusalem als in die Hauptstadtund stärkste Festung sich geflüchtet, gesehen haben, so wie den ganzen Ver-lauf des Krieges und die einzelnen Vorfallenheiten desselben und wie zuletztder von den Propheten (1) vorher verkündigte Greuel der Verwüstung indem weiland so berühmten Tempel Gottes, den gänzliche Zerstörung undvollständige Vernichtung durch das Feuer traf, stattgefunden hat: dieß alleskann, wer es zu wissen Lust hat, ausführlich aus der Geschichte des Jose-phus ersehen. Doch kann ich nicht umhin, ans diesem Geschichtschreiberdie Nachricht anzuführen, daß die Menge der aus dem gesammten Judäazu dem Passahfeste in dieser Stadt versammelten und, wie er sich selbstausdrückt, daselbst wie in einem Gefängniß eingeschlossenen Menschen gegens,000,000(2) betragen hat. Denn es war billig, daß sie in eben den-selben Tagen, in welchen sie den Erlöser und Wohlthäter Aller, Christus, denSohn Gottes, zum Leiden geführt hatten, wie in einem Gefängniß einge-schlossen, das von der Strafgerechtigkeit Gottes ihnen zuerkannte Verderbenüber sich ergehen lassen mußten. Die Erzählung der von ihnen erlitteneueinzelnen Unfälle, wie Schwert und anderes unter ihnen gewüthet, übergeheich; nur die Drangsale, welche der Hunger ihnen verursachte, glaube ichanführen zu müssen, damit den Lesern meiner Geschichte an einem einzelnenBeispiele klar werde, wie die Strafe Gottes für die gegen Christus began-gene Missethat sie bald genug erreicht hat.

Sechstes Haupt stück.

Von der Hungersnot), welche die Inden bedrängte.

Man nehme denn also das fünfte Buch der Geschichte des JosephuSzur Hand und lasse die damaligen Trauerstencn an sich vorübergehen. »Die»Wohlhabenden," so erzählt der genannte Geschichtschreiber, (3)rettete»das Verbleiben in der Stadt eben so wenig vor dem Verderben. Dennunter dem Vorwande des Uebergangs wurde mancher seines Vermögens»wegen umgebracht. Mit der Hungersnoth stieg auch dieWuth der Nottirerund beide Plagen entbrannten von Tag zu Tag immer mehr. Da Ge-treide öffentlich nirgends mehr zu sehen war, so drangen sie in die Woh-

(!) Dan. 9, 27.

(2) Eusebius hat hier die gerade Zahl angenommen, denn Josehhus sagt nur, daß es2,700,2l>0 gewesen, ohne die Aussätzigen, Befleckten und andere unreine Männer undWeiber, die das Passah nicht mitcfsen durften. Stroth.

G) 2m zehnten Hauptstück.