Kflmdius. Jahr Christus 46. 33
»Jungfrauen seyen, (1) die aber nicht, wie gewisse Priesteriinien unter den„Griechen, bloß aus äußerem Zwang ihre Jungfräulichkeit bewahrten, Ivudern„aus freiem Entschlüsse, aus Streben und Verlangen nach Weisheit.„Mit dieser als Gefährtin zu leben beflissen, setzen sie die Lüste des Kör-»perS hintan, nicht nach sterblichen Sprößlingen begierig, sondern nach„unsterblichen, welche nur eine Gott liebende Seele ans sich selbst gebären„könne." Weiter unten (2) fährt Phils noch deutlicher also fort: „Die hei-lige Schrift wird bei ihnen bildlich durch Allegorien erklärt. Denn sie„betrachten die ganze Gesetzgebung als ein organisches Wesen, indem sie mit»den Worten den Leib, mit der Seele den tiefern, nnter den Worten verhüllten„Sinn vergleichen. Diesen vorzüglich zu betrachten hat dieseReligionsgejellschaft»angefangen, indem sich ihr in den Wörtern als in einem Spiegel die hohe„Schönheit der Gedanken zu erkennen gibt." Was soll ich aber noch weitervon ihren gemeinsamen Zusammenkünften und von ihren Beschäftigungen,welche Männer und Weiber, jede besonders, haben, so wie von den Uebnngen,welche noch bis jetzt bei uns gebräuchlich sind, und welche wir vorzüglich amFeste des Leidens unseres Erlösers mit Fasten, Wachen und Betrachtungender heiligen Schrift zu beobachten pflegen, sagen? Der oft erwähnte Philoerzählt in seiner Schrift dieß alleö auf dieselbe Weise, wie es auch noch jetztbei nnS allein im Gebrauche ist; er erwähnt namentlich auch der Nachtwa-chen an dem großen Feste, (Z) so wie der während desselben vorgenom-menen Uebnngen und der Hymnen, welche von uns gesungen zu werdenpflegen, wie einer nach dem Takte auf würdevolle Weise vorsingt, dieübrigen still zuhören und nur in die letzten Strophen der Lobgesänge miteinstimmen, ferner, wie sie an den gedachten Tagen auf einer Streu aufden Boden liegen und, wie seine eigenen Worte lauten, des Weines, jasvgar jeder Fleischspeise gänzlich sich enthalten und wie ihr einziges Getränkin Wasser und ihr Zngemüße zu dem Brode in Salz und Usop besteht.Ueberdieß beschreibt Philo die verschiedene Stufenfolge bei den kirchlichenAemtern, die Diakonate und die über alle andern hervorragende bischöflicheWürde.(4) Wer indeß genauere Kenntniß davon zu erhalten wünscht,kann sie sich aus der angeführten Schrift Philo's verschaffen. Daß derselbe,
(1) I» der That cm wichtiger Beweis, der gerade der irrigen Meinung des Eusebiusam meisten entgegen ist. Denn sie hätten alt zum Christcnthum kommen müssen, sonstkonnten sie ja zu Philo's Zeiten unmöglich im Christenthum alt geworden seyn, dc»cnSchrift Eusebius selbst in die Regierung des Klaudius setzt. Es ist beinahe unbegreiflich,wie ein so guter Kopf, wie Eusebius ist, in so grobe Jrrthümcr fallen konnte.
Stroth.
(2) S. 483.
(3) Hierunter versteht Eusebius das Osterfest, Philo aber das Pfingstfest.
(4) Was einer doch Alles in einer Stelle finden kann, wenn er es darin finden will!Philo sagt, daß bei ihren gemeinschaftlichen Gastmählern einige bei Tische dienten (örct-xouoftl-rx?), heraus macht Eusebius Diakonate; und daß bei ihren Untersuchungen überdie Bibel einer (Tiyoxä^o?) den Vorsitz habe; hieraus macht Eusebius die bischöflicheWürde (?7re<7x07tffx wHc>xö^>lau).
S tro th.