Klaudins. Jahr Christus 46. 47
ist, und lese, wie folgt: „Nach der Himmelfahrt unsers Herrn stellte der„Teufel einige Menschen auf, welche sagten, sie seyen Götter, und diese.wurden nicht nur nicht verfolgt von euch, sondern sogar grosier Ehren theil->,haftig. Zu diesen gehört ein gewisser Samariter Simon ans einem Dorfe,»Namens Gitton. (l). Dieser verrichtete unter der Regierung des Kaisers»Klaudius in eurer Kaiserstadt Rom durch die Kunst und Wirksamkeit der„Dämonen magische Wuuderthaten, wurde deßhalb für einen Gott gehalten»und wird noch bei euch in einer Statue, welche in dem Tiberflusz zwischen„den beiden Brücken steht und die lateinische Inschrift: 8imo»i De«„8 -rncto , d. i. dem heiligenGottSimon, (2) führt, als Gott vcr>„ehrt. Und beinahe alle Samariter, aber auch einige wenige unter andern„Völkern erkennen und beten ihn als den höchsten Gott au. Eine gewisse»Helena, welche damals mit ihm herumzog, früher aber in einem Bordell„zu Tyrus in Phönicien sich aufgehalten hatte, nennen sie seine erste In»te l lig enz." (5) So weit Justinus. Mit ihm stimmt auch Irenausüberein in dem ersten Buche gegen die Sekten, wo er zugleich nähere Nach-richten über Simons Person, so wie über seine gottlose und verruchte Lehregibt. Diese hier anzuführen, wäre seht überflüssig, da ein Jeder, demetwas daran gelegen ist, sowohl diese selbst, als auch den Ursprung, dasLeben und den Inhalt der falschen Lehrsätze der Sektenstifter nach ihm derReihe nach, so wie auch ihre Beschäftigungen und Bestrebungen aus dereben angeführten, mit mehr als oberflächlichem Fleisie ausgearbeiteten Schriftdes Irenaus erfahren kann. So war nun , wie wir wissen, Simon dererste Anfänger jeglicher Ketzerei. (4) Von ihm an bis auf unsere Zeit habenseine Anhänger zwar die Maske der vernünftigen und wegen Reinheit ihrerMoral allberühmten christlichen Lehre angenommen, allein sie sind doch nichtsdesto weniger dem Aberglauben der Bilderverehruug, dem sie ganz entsagtzu haben schienen, wiederum zugethan, fallen vor den Gemälden und Bilderndes Simon und der vorhin mit ihm genannten Helena nieder und scheuen
(1) Diesen Ort geben alle Kirchcnschriststellcr für seinen Geburtsort aus. Joscphusaber, der im fünften Kapitel des Wlten Buches seiner Altcrthümer von eben diesem Simonzu reden scheint, sagt, daß er aus (Zypern gewesen. Stroth.
(2) Justinus verwechselt hier höchst unwissend einen alten Gott der Sabiner, Semo Sancus,mit dem Magier Simon. Ein steinernes Fußgestcll einer Bildsaule mit der Aufschrift: KomouiKongo Ovo b'ielio suci'um, wurde an dem von Justinus angegebenen Orte, nämlich aufder Tiberinsel, welche auf der eine» Seite durch den Pons Eestius, auf der andern durchden Pons Fabricii mit der Stadt verbunden ist, im Jahr 1574 aufgefunden.
t3> Limoea. Diese Person wird von einigen Schriftstellern auch Sclene genannt.Nach dem Epiphanius gab er dieselbe an manchen Orten für den heiligen Geist und sichselbst bald für de» Vater, bald für den Sohn aus. Er lehrte übcrdcm die Seelenwandc-rung und sagte, seine Intelligenz Helena sey schon in der argivischcn Helena gewesen. Auchwußte er viel aus der Geistcrwelt und deren Staatsverfassung, ließ diese Welt von bösenGeistern regieren und schrieb sich selbst eine Souveränctät über alle Geister zu. Dem altenTestament sprach er allen Nutzen ab. Irenaus und Epiphanius schrieben ihm die Entste-hung der Gnostiker zu. Stroth.
(4) Nicht bloß Eusebius, sondern auch noch viele andere Kirchenväter sind dieser Mei-nung. Mehrere machen ihn namentlich zum Stammvater der gnostischcn Sekten, was sichdaraus erklärt, weil die Philosophcmc dieser, wie jenes, mehr oder weniger altorientalischeReligionsansichtcn, namentlich die Gmanationsthcorie zur Grundlage hatten.