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Kirchengeschichte
Entstehung
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Klaudius. Jahr Christus 46. 45

Er erzZhlt nämlich in dem soeben angegebenen Buche Folgendes: »Als«Fadus Statthalter in Jndäa war, beredete ein gewisser Betrüger, Namens»Theudas, eine sehr große Menge Menschen, ihre Habe mitzunehmen und»ihm an den Fluß Jordan zu folgen. Er gab sich für einen Propheten aus»und versicherte, er könne durch sein bloßes Machtwort den Fluß zertheilen undihnen einen leichten Durchgang verschaffen. Durch diese Reden verführte»er viele. Allein Fadus verstattete ihnen nicht lange, sich ihrer Thorheit»zu freuen, sondern schickte ein Reitcrgeschwader gegen sie ab, das sie un-vermulhet übersiel, eine große Anzahl derselben tvdtete und viele gefangen»nahm. Unter den lehtern befand sich auch theudas. Diesem hieben sie»den Kopf ab und brachten denselben nach Jerusalem." Nach diesem thutJosephus auch der Hungersnoth unter Klaudius mit folgenden Worten Er-wähnung:

also vor dem Jahr Christi 46 geschehen seyn. Denn er entstand unter dem LandpflegerKuspius Fadus; dieser wurde erst nach dem Tode des Agrippa nach Judäa geschickt undAgrippa hatte drei Jahre unter Klaudius regiert. Beim Lukas aber tritt Gamaliel schonim fünften Kapitel der Apostelgeschichte aus, da bisher noch von Begebenheiten unter demLiberias geredet worden und spricht von dem Aufruhr des Theudas als von einer vergan-genen Sache, ja er setzt noch hinzu, daß nach ihm JudaS der Galiläer (siehe oben Buch l.,Kap. 4 am Ende) aufgestanden sey, von dem es bekannt ist, daß sein Aufstand zur Zeitder Schätzung unter dem Quirinius geschehen. Wenn nun gleich diese letztere Schwierigkeitzu heben wäre, daß das per« rörov rückwärts verstanden würde und so viel hieße, alsvor ihm, so bleibt doch noch allemal die Hauptschwierigkeit unaufgelöst. Man hat sieauf verschiedene Art zu heben gesucht. Scaligcr, Calvisius, Casaubonus, Grotius, Drusius,Hammond, Beza und schon ehemals Origenes haben zwei Aufrührer, die de» NamenTheudas geführt und zu verschiedenen Zeiten gelebt, angenommen, nur mit dem Unter-schiede, daß einige den erstem Theudas über 40 Jahre, andere ungefähr zwölf Jahre vordem andern angenommen. Der Leser mag selbst urthcilcn, ob dieß nicht ziemlich willkür-lich verfahren sey? Andere wollen den Josephus geradezu zum Lügner machen oder sie thunes vielmehr aus Roth, weil sie sich nicht anders zu helfen wissen. Allein ist es wohlwahrscheinlich, daß der sorgfältige Josephus in einer Begebenheit, die kaum 30 Jahre vorAbfassung seiner Geschichte schon während seines Lebens sich zugetragen und von welcher er soviele Umstände erzählt, sich so sehr hätte irren können? Aber Lukas hatte sie nicht wenigererlebt, sie war zu seiner Zeit vorgefallen, er konnte sich also auch so sehr nicht irren.Dieser Meinung scheint Capellus geneigt zu seyn; er glaubt, Lukas habe durch einen Ge-dächtnißfchler und durch Association der Begriffe die beiden ähnlichen Fälle mit einanderverbunden und beide aus Versehen vom Gamaliel anführen lassen. Wenn diese Meinungnicht Beifall finden sollte, so schlägt er eine andere Auflösung vor, nämlich man solle dieWorte versetzen und lesen npö ror'rcvv r«v ^z,e(>äzv äueern/ Tvnö«? :c. undhernach: per« rovrou c-isswr?? <?xvS«5, :c. Diese Worte solle man als

Worte des Lukas in Parenthesi verstehen, der gelegentlich bei der Erzählung des Gamalielwegen der Aehnlichkeit die Geschichte des Theudas für sich erzählte. Wie gewaltsam dichsey, kann ein jeder gleich bcurtheilen. Eben so wenig Grund hat der Vorschlag, welchenValcsius thut: man könne es so verstehen, daß Lukas dieß den Gamaliel x«r«wie man sagt, zehn Jahre voraussagen lasse, welches er durch ein Beispiel aus dem Virgilerläutert, aus welchem man gewiß noch viel mehr dieser Art hätte hernehmen können, wennes erlaubt wäre, den treuen Geschichtschreiber Lukas mit einem Dichter voller Fabeln zuvergliche». Wenn es mir erlaubt ist, meine Meinung hierüber zu sagen, so glaube ich,daß der Theudas des Josephus und des Lukas eine und dieselbe Person sey, daß auch Ga-maliel diese Rede allererst nach dem Aufstande des Theudas und also nach dem Tode desAgrippa gehalten und daß Lukas, wenn er sie an ihren Ort der Zeit nach hätte bringenwollen, sie am Ende des zwölften Kapitels hätte erzählen müssen, daß er aber mit Fleißdie Zeitordnung nicht beobachtet, sondern die Verrichtungen der Apostel vor dem Sanhcdrinzu Jerusalem vorncn an einem Orte habe zusammen erzählen wollen, daher es ge-kommen, daß er hier gleich die spätere Rede Gamaliels mitgenommen. Von dieser Art zuerzählen, finden wir in den besten Geschichtschreibcrn, die auch sonst die Zcitordmmg beob-achten, Beispiele. Stroth.