44 Klaudins. Jahr Christus 45 — 46.
»einmal kamen Schmerzen des Unterleibes dazu, die mit großer Heftigkeit»sich einstellten. Hinblicken!) nun zu seinen Freunden, sprach er: ich, der»ich euch ein Gott bin, erhalte so eben Befehl, aus dem Leben zu wandern;»das Schicksal widerlegt auf der Stelle euern erlogenen Zuruf, der eben»noch mir erschallte und ich, der von euch unsterblich Genannte, mache bereits»mich auf den Weg zum Tode. Doch man muß das Schicksal annehmen,»wie es Gott beschlosten hat. Denn ich habe nicht in unscheinbarer Niedrig«»keit gelebt, sondern in einem Glänze, der dem Menschen als die höchste»Glückseligkeit gilt. Während er dieses noch sprach, wurde er von den zu-nehmenden Schmerzen überwältigt. Man brachte ihn nun eilig in seinen»Palast und ein Gerücht verbreitete sich überall, er würde nur noch ganz--kurze Zeit zu leben haben. Das Volk zog sogleich nach väterlicher Weise»mit Weib und Kind Säcke(l) an und bat Gott um das Leben des Königs,»und alles war voll von Klagen und Jammern. Der König, der in einem»vbern Gemache des Palastes darniederlag und sie unten auf dem Boden»liegen sah, konnte sich selbst der Thränen nicht enthalten. Nachdem er»endlich fünf Tage lang unausgesetzt von Leibschmerzen gefoltert worden»war, verschied er im 54sten Jahre seines Lebens und im 7ten seiner Regie-rung. Er war nämlich vier Jahre unter dem Kaiser Kajus König gewesen,»wovon er drei Jahre über die Tetrarchie des Philippus geherrscht und im»vierten noch die Tetrarchie des Herodes bekommen hatte, und sodann noch drei»Jahre unter der Regierung des Klaudius.« So erzählt Josephus, dessenrichtige Uebereinstimmnng mit der heiligen Schrift ich sowohl hier, als auchsonst bewundern muß. Sollte indeß Jemand eine Verschiedenheit zwischenbeiden in Betreff des Namens des Königs (2) zu finden glauben, so beweisendie Zeit und das Faktum, daß es einer und eben derselbe ist, mag nun derName durch einen Schreibfehler verändert worden seyn oder mag der Königzwei Namen gehabt haben, wie dieß bei vielen der Fall gewesen ist.
Eilstes Hanptstück.
Von dem Betrüger Theudas und seinem Anhange.
Da ferner Lukas in seiner Apostelgeschichte (Z) den Gamaliel bei Er-zählung der Untersuchung über die Apostel redend einführt, daß zu der ange-gebenen Zeit Theudas aufgestanden sey und sich für etwas ausgegeben habe,daß aber derselbe seinen Tod gefunden und daß alle seine Anhänger zerstreutworden, so wollen wir auch hievon die Worte des Josephus (ä) hersetzen.
(1) Es ist unter dem Worte Sack nicht an einen eigentlichen Sack zu denken, son-dern an ein grobes, oft zerlumptes Stück Tuch, welches der Morgenländer zumZeichen der Trauer um sich herum wickelt.
(2) Josephus nennt ihn nämlich immer Agrippa und Lukas Herodes. Stroth.
(3) Apostelgesch. 5, 36.
(4) Man ist in großer Verlegenheit, den historischen Widerspruch zwischen dem mckasund Josephus über den Theudas zu heben. Nach dem Josephus, dessen Genauigkeit indiesem Stücke unverdächtig ist, kann sei» Aufstand nicht vor dem vierten Jahre des KlaudmS,