Kaligula. Jahr Christus 39. -5L»
drien nach Rom übernahm, wie er, als Verteidiger seiner vaterländischenGesetze vor Kajus auftretend, nichts als Spott und Hohn davongetragenhabe und beinahe selbst in Lebensgefahr gekommen sey. Dieser Umständegedenkt auch Josephus im 43ten Buche seiner Alterthümer, (4) wenn erwörtlich also berichtet: „Als zu Alexandrien zwischen den dortigen Juden„und Griechen eine Partciung entstanden war, so wurden aus jeder Partei„drei Gesandte(2) erwählt, welche zu Kajus reisten. Unter den Gesandten„der Alexandriner befand sich auch Apion, welcher viele Verleumdungen„gegen die Juden vorbrachte, und unter Anderem sie auch beschuldigte, daß„sie dem Kaiser nicht die gebührende Ehre erwiesen. Denn, während alle„andern Untertanen des römischen Reichs dem Kajus Altäre und Tempel„errichteten und ihn in jeder Hinsicht ebenso, wie die Götter, verehrten, seyen„die Inden die einzigen, welche es für ungeziemend hielten, ihn durch Er-„richtung von Bildsäulen zu ehren und bei seinem Namen zu schwören.„Nachdem Apion viele schwere Beschuldigungen, wodurch er, wie zu„erwarten stand, den Kaiser zu erbittern hoffte, vorgebracht hatte, wollte„Philo, welcher an der Spitze der jüdischen Gesandtschaft stand, ein durch„philosophische Kenntnisse ausgezeichneter und sehr angesehener Mann und„Brnder des Alabarchen (3) Alexander, zur Verteidigung gegen diese Beschul-„dignngen schreiten. Allein Kajus verbot es ihm und befahl ihm, sick>„augenblicklich zu entfernen, voll Zorns und deutlich zu erkennen gebend,„daß er Partei gegen die Inden im Sinne habe. Philo entfernte sich auf„diese schmähliche Behandlung, sagte aber zu den ihn begleitenden Juden,„sie sollten nur getrosten Muthes scyn, denn, während der Kaiser auf sie„zürne, waffne er bereits Gott wider sich." So weit JosephuS. Es hatauch Philo selbst in seinem Gesandtschaftsberichte die Einzelnheiten seinerdamaligen Verrichtungen mit Pünktlichkeit aufgezeichnet, allein ich willmit Uebergchung des meisten nnr das anführen, was den Lesern ein deut-liches Bild von demjenigen geben kann, was den Juden wegen ihres Unter-fangens gegen Christus alsbald ohne langen Verzug widerfahren ist. Zuerstnun erzählt er, daß noch unter des Tiberius Regierung Ssjanus zu Rom,der damals sehr viel bei dem Kaiser galt, sich eifrig bemüht habe, die ge-summte jüdische Nation zu vertilgen, in Judäa aber Pilatus, unter welchemder Frevel gegen Christus begangen wurde, weil er in Betreff des Tempels zuJerusalem, der damals noch stand, etwas gegen die Gesetze der Inden unter-nahm, (ä) diese in die größte Gährung versetzt habe.
<t) Die Stelle findet sich bei Josephus t3, 8.
(2) Philo gibt deren fünf an. Wer übrigens die Ursachen dieser Gesandtschaft, derenvornehmste die Entheiligung jüdischer Bethäuser war, und die unglückliche Ausrichtung desAuftrags näher wissen will, der muß die beiden vorher angeführten Bücher des Philo nach-lesen. Stroth.
(3) Die Juden hatten zu Alerandria, wo sie ungemein zahlreich waren (nach l>!ul>-»ü Itjucr., p. U73 zwei Fünftheile der Bevölkerung) und einen eigenen Bezirk bewohnten,das Bürgerrecht, einen eigenen Senat und besondere Obrigkeiten. Ihre, so wie der Judenm ganz Aegypten höchste obrigkeitliche Würde hieß Alabarchie und derjenige, welcher siebekleidete, Alabarch. Die Stelle war lebenslänglich.
>4) Was bieß war, wird im nächsten Hauptstück erzählt.