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Kirchengeschichte
Entstehung
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40 Kaligula. Jahr Christus 39.

Sechstes Hauptstück.

Was für Anfälle die Juden nach dein Frevel wider Christus betroffen.

Als nach dem Tode des Tiberius Kajus die .Herrschaft überkommen, sohabe dieser sowohl gegen vieleAndere uuzähligeHandlungen des UebermnthSsich erlaubt, als vor Allem auch das jüdische Volk nicht wenig mißhandelt.Dieß kann man in der Kürze ans seinen eigenen Ausdrücken ersehen, welchewörtlich so lauten:(1)So groß nun war des Kajus Wahnsinn gegen alle,vorzüglich aber gegen die jüdische Nation. Gegen diese war er im höchstenGrade aufgebracht. Er eignete sich in den Städten ihre Bethäuser zu,wobei er mit denen zu Alexandrien den Anfang machte und füllte sie mitseinen eigenen Bildnissen und Statuen an. Denn, indem er zuließ, daßAndere ihm solche setzten, errichtete er sie sich im Grunde selbst. DenTempel in der heiligen Stadt, welcher noch allein unangetastet war undals unverletzliches Heiligthum galt, verwandelte und schuf er in seineneigenen Tempel um, indem er der Tempel des auf Erden erschienenen Ju-piter, des jüugern Kajus, scyn sollte." Noch anders unzahlbare und unbe-schreibliche Unfälle, welche den Juden zu Alexandrien unter der Negierungdes genannten Kaisers zustießen, erzählt eben dieser Philo in einem zweitenBuche, welches den Titel:Von den Tugenden" führt. Mit ihmstimmt auch Josephus überein, welcher ebenfalls bemerkt, daß von denZeiten des Pilatus und dem wider unfern Erlöser verübten Frevel an dieüber die ganze Nation hereinbrechenden Leiden ihren Anfang genommenhaben. Man höre also, was auch dieser im zweiten Buche seines jüdischenKriegs (2) erzählt:Pilatus, welcher von Tiberins als Prvkurator nachJudäa geschickt worden war, brachte bei Nacht verhüllte Bilder des Kaisers,welche sZo-nu genannt (3) werden, nach Jerusalem. Dieser Umstanderregte, sobald der Tag anbrach, den größten Lärmen unter den Juden.Alle, die in der Nähe waren, entsetzten sich ob dem Anblick, als wodurchihre Gesetze mit Füßen getreten wären. Diese verbieten nämlich durchausdie Ausstellung irgend eines Bildnisses in der Stadt." Wenn man dieseNachricht mit der Erzählung der Evangelien vergleicht, so wird man sehen,daß die Strafe für jenen Ausruf vor Pilatus, (4) daß sie keinen andernKönig hätten, als den Kaiser, bald genug sie ereilte. Sodann erzählt der-selbe Geschichtschreiber noch ein anderes Unglück, das sie traf, mit folgendenWorten: HS)Nach diesem erregte er eine andere Unruhe dadurch, daß er

(t) ?dile> lege Itasi p. 596. illanZoz'.

(2) Im neunten Hauptstück.

(3) Kleine goldene Bildnisse des Kaisers, welche sich unter den Fahnen und Feldzeichenbefanden.

(4) Joh. tg, t5. Eusebius begeht hier abermals einen Anachronismus, wenn er dieUnternehmung des Pilatus mit den Bildern als Folge der an Christo verübten Ungerechtig-keit der Juden ansieht und sie also nach dem Leiden Christi setzt, da doch aus dem Josephusdeutlich erhellt, daß dieß bald nachher geschehen sc», als Pilatus nach Judäa gekommen,also noch vorher, che Christus sein Lehramt angetreten.

(5) Ebenfalls 2, 9.