Äugufius. Jahr Christus 1. 17
das heilige Eewaud des I^ohenpriesters verschlossen und unter sein eigenesSiegel gelegt, ohne dasselbe ferner in den Händen der Hohenpriester zulassen. Eben dasselbe hätte auch nach ihm Archelaus und nach diesem dieRömer gethan. Dieses mußte ich anführen, um zu zeigen, daß auch eineandere Weissagung zur Zeit der Erscheinung unseres Erlösers Jesus Christusin Erfüllung gegangen ist. Denn, nachdem die heilige Schrift in dem Pro-pheten Daniel eine gewisse Zahl von Wochen bis auf Christus den Fürsten(wovon wir an einem andern Orte gehandelt haben) namentlich angegebenhat, so folgt die Weissagung, (t) daß nach dem Verlaufe derselben dieheilige Salbung bei den Juden werde ausgerottet werden. Und daß dieseWeissagung zur Zeit der Geburt unsers Erlösers Jesus Christus in Erfüllunggegangen, ist ganz offenbar. Dieß mußte ich zum Erweise der Richtigkeitder Zeiten uvthwendigsr Weise voranschicken.
Siebentes Hauptstück.
Von der vermeintlichen Verschiedenheit der Evangelien (2) in Betreff des Geschlechts-
rcgisters Christi.
Da uns Matthäus und Lukas verschiedene Nachrichten in Betreff desGeschlechtsregisters Jesu in ihren Evangelien überliefert haben und nichtwenige glauben, daß eine wirkliche Verschiedenheit zwischen beiden statt-finde, da ferner ein jeder der Gläubigen aus Unkenntniß der Wahrheit umdie Wette eine Auflösung dieser Stellen zu finden sich bemühte, so wollenwir hier die hievon auf uns gekommene Nachricht mittheilen, welche derkurz vorhin erwähnte Afrikanus in einem Briefe an Aristides über dieUebereinstimmnng des Geschlechtsregisters in den Evangelien gibt. Nachdemer in demselben die Hypothesen der andern als gewaltsam und unhaltbarwiderlegt hat, so trägt er die Geschichte, welche er gehört hatte, mit folgen-den Worten vor: „Die Namen der Geschlechter in Israel wurden entweder„nach der Natnr oder nach dem Gesetze gerechnet. Nach der Natur, wenn„der leibliche Sohn auf den Vater folgte; nach dem Gesetze, wenn Jemand„die Kinder, welche er zeugte, nach dem Namen seines kinderlos verstorbenen„Bruders benannte. Denn weil noch keine gcwisseHoffnung der Auferstehung„gegeben war, so bildeten sie die künftige Verheißung davon durch eine gewisse„sterbliche Auferstehung ab, damit der Name des Verstorbenen nicht unter-„gehen möchte. Da nun die in dieser Genealogie Aufgeführten theils als„leibliche Söhne ihren Vätern folgten, theils von andern gezeugt, nach
(t) Dan. 9, 26.
(2) Es sind in älterer und neuerer Zeit sehr viele mehr oder minder befriedigendeErklärungs- und Auflosungövcrsuche über diese Verschiedenheit zwischen Matthäus und Lukasangestellt worden, ohne daß bis jetzt die Sache ihre vollständige Bereinigung gefundenhätte; da aber die Anführung und Prüfung derselben hier zu weit führen würde, so ver-weise ich auf die Erklärer des Matthäus und Lukas, so wie auch Hugs Einleitung in dasneue Testament, 2tcr Thcil, S. 266 ff. (dritte Ausgabe).
Eusebius Kirchengeschichte. 2