Druckschrift 
Kirchengeschichte
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen
 

Augustus. Jahr Christus 1.

Appollotempel war. Dieser Antipater gerieth als ein kleiner Knabe in dieHände von idnmäischen Räubern und blieb bei ihnen, weil sein Vater zuarm war, um das Lösegeld für ihn zu bezahlen. Er wurde in ihren Sittenerzogen und gewann in der Folgezeit die Gunst des jüdischen HohenpriestersHyrkanns. Ein Sohn dieses Antipater« war Herodes, der zur Zeit derGeburt unseres Erlösers regierte. Da nun dieser die Negierung über dieJuden überkommen hatte, so war die Erwartung der Völker, der Weissagunggemäß, bereits vor der Thüre.' Denn von da an war die Regiernngsfolge ihrerFürsten und Regenten von Moses an abgebrochen. Vor ihrer Gefangen-schaft und ihrer Versetzung nach Babylon standen sie unter Königen, vonwelchen Saul und David die ersten waren. Vor den Königen wurden sievon Regenten, Nichter genannt, beherrscht, welche sogleich nach Moses unddessen Nachfolger Josua anfingen. Nach der Rückkehr aus Babylon hattensie fortwährend eine aristokratisch-oligarchische NegiernngSform. Es standennämlich die Hohenpriester an der Spitze der Negierung, bis der römischeFeldherr Pompejus erschien, Jerusalem mit Sturm eroberte und das Hei-ligthum verunreinigte, da er bis in das Allerheiligste des Tempels ging. (1)Dieser schickte den ArisiobuluS, der bis dahin vermöge des Rechts der Erb-folge König und Hvherpriester zugleich war, gefesselt mit seinen Kindernnach Rom und gab die Hohenpriesterwürde dessen Bruder Hyrkanns, machteaber von dieser Zeit an die ganze jüdische Nation den Römern zinsbar.Nachdem aber bald darauf auch Hyrkanus, mit dem sich die Reihenfolge derHohenpriester schloß, in die Gefangenschaft der Parther gerathen war, soüberkam, wie oben gesagt, Herodes, der erste Ausländer, von dem römi-schen Senat und dem Kaiser Augnstus die Herrschaft über das jüdische Volk.Da zu seiner Zeit die Erscheinung Christi offenbar war, so erreichte dieErwartung des Heils der Völker ihr Ende und die Berufung der Heidenerfolgte gemäß den prophetischen Weissagungen. Da nun von dieser Zeitan die Fürsien und Regenten aus Inda, ich meine aus der jüdischen Nation,aufhörten, so wurde auch alsbald diesen gemäß die bisher bei der Nachfolgeim Hohenpriesterthum von jeher genau beobachtete Ordnung, vermöge derenes immer auf den nächsten Erben des Vorhergehenden fiel, gestört. Auchdavon ist Josephuö ein glaubwürdiger Zeuge. Dieser erzählt nämlich, (2)Herodes habe, nachdem er von den Römern zum König erhoben wordenwar, nicht mehr Männer aus altem Geschlechte zu Hohenpriestern gemacht,sondern namenlosen Menschen diese Würde übertragen. Dieselben Grund-sätze in Betreff der Besetzung der hohenpriesierlichen Würde habe sein SohnArchclaus und nach diesem die Römer, als sie sich Judäa's bemächtigt,befolgt. Derselbe Geschichtschreiber meldet auch, (2) Herodes habe zuerst

(t) Der Eintritt in dieses war nur dem Hohenpriester erlaubt. Pompejus kam abersogar mit seinem Gefolge, ließ jedoch die heiligen Gefäße und den Tcmpelschatz (2000las) unberührt.

(2) Jüd. Merthüm. 20, 8.

(3) Lud. Alterthüm. 18, 6. 20, 1.