Einleitung. Z
Den Ursprung, die Würde, das Wesen und die Natur Christi zuerklären, dazu dürfte kein Ausdruck hinreichend seyn. Deßwegen sagt auch derGeist Gottes durch die Propheten: „Wer kann sein Geschlecht erzählen?(l)„Denn es kennt weder Jemand den Vater, außer der Sohn, noch kannJemandden Sohn vollkommen kennen , außer allein der Vater," (2) der ihn gezeugthat. Denn wer konnte wohl außer dem Vater einen vollständigen Begriffhaben von dem Lichte, das vor der Welt gewesen, von der selbstständigen undpersönlichen Weisheit, die vor aller Zeit existirt, von dem lebendigen und imAnfange beim Vater befindlichen Wort, (3) das Gott ist, von dem ersten undeinzigen vor aller Kreatur und Schöpfung, sichtbarer und unsichtbarer, vonGott erzeugten Wesen, von dem obersten Heerführer der vernünftigen undunsterblichen Heerschaaren des Himmels, von dem Gesandten des höchstenRathschlnsses, von dem Vollbringer des verborgenen Willens des Vaters,von dem Schöpfer des Alls neben dem Vater, von der zweiten Ursache derWelt nächst dem Vater, von dem ächten und eingeborenen Sohn Gottes,von dem Herrn, Gott und Könitz aller erschaffenen Wesen, der das Reichund die Herrschaft zugleich mit der Gottheit, Macht und Ehre vom Vaterempfangen hat, wie es denn in den geheimnißvollen Stellen der heiligenSchrift von seiner Gottheit heißt: (4) „Im Anfange war das Wort und„das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Alles ist durch dasselbe„gemacht worden und Nichts ist ohne dasselbe geworden." Dieß lehrt auchder große Moses, der älteste aller Propheten, wenn er, vom göttlichenGeiste erfüllt, die Schöpfung und Einrichtung des Weltgebäudes beschreibt.Er sagt nämlich, der Schöpfer der Welt und Werkmeister des Alls habeChristo selbst und keinem andern, als eben diesem seinem göttlichen understgeborenen Worte, die Schöpfung der geringem Wesen überlassen und sichmit ihm bei der Schöpfung des Menschen besprochen. ES heißt nämlich beiihm: (5) „Und Gott sprach: Lasset uns einen Menschen machen nach„unserem Bilde, der uns ähnlich sey." Diesen Ausspruch bestätigt einanderer Prophet, wenn er in seinen Liedern also von Gott spricht:(0) „Er„sprach und sie waren gemacht; er gebot und sie waren geschaffen." Hiererscheint der Vater und Schöpfer als Allgebieter, der mit einem königlichen
(1) Jes. 5Z, 8.
(2) Luk. 10, 22.
(3) Da uns diese UcberscHung des Wortes Logos aus der deutschen Bibel ganz bekanntund geläufig ist, so habe ich dieselbe beibehalten zu dürfen geglaubt.
(4) Joh. 1, 1. 3.
(5) 1. B. Mos. 1, 26.
(6) Ps. 3Z, 9. Nach unserer Auslcgungsart möchten wir aber schwerlich in dieserStelle finden, was Eusebius darin fand. Er bezieht nämlich den Befehl Gottes nichtunmittelbar auf die Entstehung der Dinge, sondern auf den Sohn. Er sprach, Heistbei -hm so viel als: er sagte zum Sohn: schaffe Wesen! Sie wurdengeschaffen, heißt bei ihm nicht: sie entstanden unmittelbar auf diesengöttlichen Befehl, sondern der Sohn war dem Befehl des Vaters sogleichgehorsam und brachtesie hervor. Denn Eusebius verbindet diesen Vers mitdem 6ten: Der Himmelist durchs Wort oes Herrn gemacht?c., welcheser von Christo versteht. Vielleicht ist dieser Vers im Griechischen nur aus Versehen ausge-lassen; denn Rufin hat ihn. Stroth.