2 Einleitung.
soll. Was mir nun in den zerstreuten Nachrichten jener Männer fürmeinen vorliegenden Gegenstand tauglich erscheint, das will ich sammeln,die brauchbaren Stellen jener alten Schriftsteller, wie Blumen aus einerWiese, für mich auslesen und sie durch eine zusammenhängende Darstellungzu einem Ganzen zu verbinden suchen, zufrieden, wenn ich die Nachfolge,wenn auch nicht aller, doch wenigstens die der ausgezeichnetsten Apostelunseres Erlösers in den angesehensten und noch jetzt in hohem Rufe stehendenGemeinden im Andenken erhalte. Die Behandlung dieses Gegenstandesaber finde ich in so fern sehr dringend, da ich unter allen Kirchenschriftstellernbis auf unsere Zeit keinen gefunden habe, welcher diesem Fache seinenschriftstellerischen Fleiß gewidmet hätte. Indessen hoffe ich auch, daß meinUnternehmen in den Augen der Liebhaber und Forscher der Geschichte alsein nützliches erscheinen werde. Ich habe zwar schon früher in meinerChronik einen kurzen Inbegriff dieser Geschichte gegeben, allein in Vorlie-gendem will ich eine ausführliche Darstellung derselben liefern. Ich werde,wie schon bemerkt, den Anfang derselben mit der über allen menschlichenBegriff erhabenen Menschwerdung unsers Erlösers Christi und mit einerAbhandlung von seiner Gottheit machen. Denn wer die Geschichte derchristlichen Kirche schreiben will, dem dürfte es schon deßwegen, weil wirnach Christus genannt zu werden gewürdigt sind, unerläßlich seyn, mit derersten Veranstaltung durch Christum, welche göttlicher ist, als viele sichvorstellen, zu beginnen.
Zweites Hauptstück.
Summarische Vorstellung von der Präeristenz und Gottheit unserS Erlösers undHerrn Jesus Christus.
Da in Christus eine zweifache Natur ist, wovon die eine — soferner nämlich als Gott betrachtet wird — dem Haupte des Menschen gleicht,die andere aber — sofern er sich unserer den Schwachheiten unterworfenenMenschheit um unserer Erlösung willen angenommen hat — als die Füßeanzusehen ist, so dürfte dann erst unsere folgende Erzählung auf Vollstän-digkeit Anspruch machen, wenn ich bei der ganzen ihn betreffenden Darstellungvon dem, was das Höchste und Vorzüglichste an ihm ist, ausgehe. Aufdiese Art wird auch zugleich das Alter und die Göttlichkeit des Christenthum»denen, welche es für eine neue und ganz fremde Religion, die erst seitgestern zum Vorschein gekommen (1) sey, halten, am besten bewiesen werdenkönnen.
tt) Einer der Haupteinwürfe gegen das Ehristenthum von Seiten der Heiden war, daßes deßwegen nicht fiir wahr gehalten werden könne, weil es eine neue Lehre sey. Siegingen bei diesem Einwurf von der Ansicht aus, daß ein Kultus um so größere Ehrwür-digkeit habe, je mehr er durch ein hohes Alter geheiligt werde, Abfall aber von der Religionder Vorfahren ein Verbrechen sey.