Leben und Schriften des Eusebius. xm
damaligen Ansicht unnützen Streitfrage, bis sich der Kaiser zuletzt genöthigtzu sehen glaubte, für diese Sache und die Wiederherstellung des Kirchen-friedens eine allgemeine Versammlung der Bischöfe nach Nicäa zusam-menzurufen. Es erschienen bei zweihundert fünfzig. Unser Eusebius wurdeauf dieser Versammlung hochgeehrt. Er war es, der den Kaiser in einerfeierlichen Rede bewillkommte: auch erhielt er unter allen Bischöfen denersten Rang und saß unmittelbar neben dem Kaiser zu seiner Rechten.Die Geschichte des Konciliums selbst gehört nicht hieher, nur ist in Be-treff unseres Eusebius zu bemerken, daß auch er nach einigen Bedcnk-lichkeiten über einige in dem auf der Versammlung veranstalteten Glau-bensbekenntnisse gebrauchte Ausdrücke, nachdem dieselben durch dieErklärung der Väter gehoben waren, sich zufrieden gab und das Glau-bensbekenntniß, so wie die Verdammung gegen anders Denkende unter-schrieb. Freilich wollen einige wissen, Eusebius habe dieß weniger ausUeberzeugung als aus Furcht vor dem Kaiser gethan. Als im I. Z29Bischof Eustathius von Antiochien wegen Beschuldigung des Sabellia-nismuS und grober Vergehen gegen die Sittlichkeit durch eine Kirchen-versammlung seines Amtes entsetzt worden war, übertrug ein Theil derdortigen Gemeinde und die daselbst versammelten Väter dem Eusebiusden erledigten Bischofssitz, allein Eusebius lehnte aus Achtung gegendie Kirchenregel und aus Liebe zum Frieden — denn da ein andererTheil des Volks auf der Wiedereinsetzung des Eustathius bestand, sowar jeden Augenblick der Ausbruch von Tätlichkeiten zu befürchten —den ehrenvollen Antrag ab, wodurch er von Seiten Konstantins großeLobsprüche einärndete. Ueberhaupt hatte dieser Kaiser sehr hohe Begriffevon Eusebius und zeichnete ihn vor allen andern aus. Er stand mitihm in brieflichem Verkehr, gestattete ihm freien Zutritt zu sich und zogihn häufig zur kaiserlichen Tafel. Als Konstantin die Gemeinde seinerneugegründeten Stadt mit Büchern versorgen wollte, so erhielt Eusebius,als der gelehrteste Bischof seiner Zeit, von ihm den Auftrag, eine be-trächtliche Anzahl Exemplare der heiligen Schrift abschreiben zu lassen.Bei einer wegen der gegen Bischof Athanasius von Alexandrien ZZ5 zuTyrus gehaltenen Kirchenversammlung führte Eusebius auf Befehl Kon-stantins den Vorsitz uud wußte auf derselben gegen die rohen Ausbrüchedes Neides, des Hasses und der Verläumdungssucht des Bischofs Potain»mit vieler Klugheit seine Würde zu wahren. Nachdem Athanasius durcheinen Spruch der Versammlung seines Amtes entsetzt war, wohnte Eu-sebius der Einweihung einer Kirche zu Jerusalem bei und hielt bei dieserGelegenheit verschiedene Reden. Sodann reiste er nach Konftantinopel,um dem Kaiser Bericht über die Vorfälle zu Tyrus zu erstatten undhielt bei diesem Anlasse die dem Leben Konstantins angehängte Lobredeauf diesen Kaiser im kaiserlichen Palaste der neuen Hauptstadt. Nachdem Tode Konstantins, welcher im Jahr ZZ7 erfolgte, scheinen die