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1 (1921) Die vorrömische Zeit
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geltend, über das Mittelgebirge die Gestade des Rheins und Mains zuerreichen. Die Scharen des Ariovist kamen bis zum südlichenElsaß und Jura, andere Stämme setzten sich bald danach an der unterenLahn und im unteren und mittleren Maingebiet fest. Die Wege dieser ger-manischen Yolkswanderung lassen sich aus dem Innern Deutschlandsziemlich genau verfolgen. Wiederum spielten die Hauptrolle die Wege durchdie Wetterauer Senke, nunmehr von germanischen Ringwällen gedeckt(Mteburg, Dünsberg, Hausberg, Goldgrube) wie zur Keltenzeit durch Alt-könig, Goldgrube, Christenberg (?, noch nicht untersucht), ln der Wetter-au selbst reihen sich von Mainz ab längs der „Weinstraße“ zahlreiche ger-manische Dörfchen der Spät-La-Tene-Zeit, die größten bei Frankfurt, Nau-heim, Butzbach, Gießen, von hier ab aber nicht längs der Keltenstraße(„Weinstraße“) westlich von Marburg, sondern, wie Wolff durch neuereGrabungen nachgewiesen hat, östlich vom Frauenberg an der Hahnerheidevorbei 303 ). Die Formen der hier gefundenen Gefäße (Mus. Marburg)weichen wie auch die Grabgebräuche von den „chattischen“ des Düns-bergs und der Altenburg sowie den suebischen der Rheinlande so sehr ab,daß ich an einen anderen germanischen Volksstamm denken möchte(L. Schmidt, Gesch. d. deutschen Stämme bis zum Ausgange der Völker-wanderung II S. 142 [Usipier und Tencterer], S. 347 f. [Chatten imDiemel- und Edergebiet]). Die Frage der Fortsetzung der WetterauerStrecke in Richtung Kassel hat Wolff in dem genannten Aufsatze ein-gehend erörtert und sich namentlich für einen Weg Butzbach—Reiskirchen—Mardorf—Brücker Mühle entschieden. So sehr ich auch mit den meistenAusführungen jenes vortrefflichen Aufsatzes übereinstimme, in letzteremPunkte bin ich anderer Meinung und halte diese Verbindung wegen derSchwierigkeiten des Geländes (Überquerung der Wieseck und Lumda!)für eine untergeordnete. Der Anfang derselben von Butzbach bis Reis-kirchen—Lindenstrut (bronzezeitlicher Depotfund!) ist zwar sehr alt, auchdie Strecke Höingen—Mardorf—Brücker Mühle, indessen gehören dieseWege vielleicht einem anderen Zusammenhang an, der letztere Teil etwazu einem Höhenweg längs der Ohm nach Weitershain—Atzenhain—Lau-bach, der erstere zur Verbindung mit der Straße Gießen—Grünberg—Als-feld bzw Lauterbach, beide sehr alte Kammwege, die von einer großenAnzahl von Grabhügelgruppen und Siedlungen schon seit der Bronzezeitbegleitet sind. Beide Straßenzüge habe ich fast in ihrer ganzen Erstrek-kung abgegangen und auch meist inmitten von Wald und Feld ihre Spurengefunden. Immerhin bedarf die Frage noch ihrer endgültigen Aufklärung.

Überblicken wir die Ergebnisse dieser Betrachtung, so sehenwir einmal, daß auf diesen Nord-Siidwegen in der Stein-, Bronze- undSpät-La-Tene-Zeit das Vorschieben von Völkermassen in Nordsüd-Richtung überwog, daß aber in der Hallstatt- und früheren La-Tene-Periode eine Bewegung in umgekehrter Richtung statthatte, zunächstvon schwächeren Scharen der ostalpinen (illyrischen), dann aber von